das Kirchenjahr

9. Sonntag nach Trinitatis

Anvertraute Gaben

Predigtbeispiele

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Zu den Perikopen

Predigtvorschläge zu Reihe I - Phil 3, (4b-6)7-14

Liebe Gemeinde! Paulus ist bekannt, ja, man kann sogar sagen: er ist berühmt. Die christlichen Gemeinden in der Welt des römischen Imperiums hatten alle schon von ihm gehört. Sicher machte auch manche Wundererzählung ihre Runde. Aber was wusste man schon wirklich? Nur die Gemeinden, die er auf seinen Missionsreisen besucht hatte, kannten ihn, und das eigentlich auch nur dürftig. Zwar war er meist längere Zeit an einem Ort geblieben, aber dann auch lange Zeit nicht, und was in dieser übrigen Zeit so alles geschah, darüber rätselte man und war dankbar für jeden Bericht oder Brief, der einem von anderen Orten gebracht wurde.
Man hoffte, z.B. von Wundertaten zu hören, oder von Bekehrungen einflussreicher Leute. Denn solche Menschen konnten vielleicht helfen, dass die Christen sicherer wohnten und nicht immer wieder dem Spott und den Anfeindungen der Heiden ausgesetzt waren.
Und es gab ja wirklich einiges vorzuweisen: er hatte einen Lahmen in Lystra geheilt, im selben Ort wurde er gesteinigt, überlebte diese Steinigung aber wie durch ein Wunder. Viele hatten den christliche Glauben durch die Verkündigung des Paulus angenommen. In Philippi begegnete ihnen die Purpurhändlerin Lydia, die sich dann taufen ließ und wohl in der frühen christlichen Gemeinde eine bedeutende Gestalt geworden ist. Dort trieb Paulus einen Wahrsagegeist aus einer Frau aus, was wieder einigen Ärger verursachte. Später bekehrte sich einer der Stadträte Athens mit Namen Dionysius, und so könnte man wohl immer weiter erzählen von den Großtaten des Paulus. Man kann sich schon vorstellen, dass die Christen gespannt waren auf Neuigkeiten von ihm.
Und nun schreibt er einen dieser lang ersehnten Briefe an die Gemeinde in Philippi, die er selbst gegründet hatte. Er schreibt von seiner Gefangenschaft, und wenn man die Worte liest, scheint es fast, als erwarte er seinen baldigen Tod. Aber diese Erwartung mündet nicht in einen Hilferuf, sondern in die Worte: Christus ist mein Leben und Sterben ist mein Gewinn. Ja, er ist sich sogar unsicher, was er ersehnen soll: die Befreiung aus dem Gefängnis oder den Tod.
Die folgenden Mahnungen erscheinen fast wie eine Art Testament, das er an die junge Gemeinde schreibt, ein Vermächtnis. Lebt in der Gemeinschaft mit Christus, schafft, dass ihr selig werdet, ruft er ihnen zu.
Und schließlich erinnert er an die Vergangenheit der jungen Christen: nehmt euch in Acht vor der Zerschneidung! Ganz bewusst verdreht er das Wort „Beschneidung“, weil sich an ihr immer wieder die Geister schieden. Muss man sich nun beschneiden lassen oder nicht?
Werdet nicht gesetzlich, sagt Paulus. Es gibt keinen Zwang mehr. Lebt in der Freiheit, die Gott uns schenkt! Lasst euch allein vom Geist Gottes leiten und führen. Und schließlich wendet er sich seiner eigenen Geschichte zu, weist hin auf die Bekehrung vom Saulus zum Paulus, vom Verfolger der Christenschar zur Nachfolge Christi.
Als Dreck bezeichnet er seine Vergangenheit, in der er sich als glaubenstreuer und für Gott eifernder Pharisäer erwies, es war völlig unnütz, ja, es war ihm sogar zum Schaden geworden. Das hat er inzwischen erkannt durch Jesus Christus.
Bis dahin hatte er immer geglaubt, dass er vor Gott durch seine Taten Gerechtigkeit erlangen könne. Doch als er die Liebe Gottes durch Jesus Christus erkannte, wusste er, dass er auf dem Holzweg gewesen war. Die Taten können nicht gerecht machen. Also ist es eine Zerschneidung, wenn man dem Gesetz folgt, weil es die von Gott gewollte Freiheit des Menschen behindert.
Aber es gibt natürlich doch eine Regel, nur ist die einzig von der Liebe Gottes her definiert. Wer diese Liebe erfasst und begreift, der zieht seine Konsequenzen daraus und wird zum Spiegel der Liebe Gottes, indem er selbst liebend handelt. Wenn man so will, ist dieses Leben im Grunde noch viel unfreier, denn persönliche Ziele wie die eigene Selbstverwirklichung oder die berufliche Karriere treten hinter dem Verlangen, seinen Mitmenschen in Liebe, Demut und Fürsorge zu begegnen, zurück. Aber dies wird nicht als Unfreiheit empfunden, sondern es wird wahrgenommen als die höchste Bestimmung menschlicher Existenz: das Ziel ist im Grunde schon erreicht: das Leben in der Liebe Gottes.
Dennoch scheint noch immer etwas im Dunkeln zu sein. Und das ist es ja in der Tat. Woher nehmen wir die Gewissheit, dass es so richtig ist und nicht anders? Genügt uns dazu das biblische Wort?
Wenn wir uns in die Zeit des Paulus zurück versetzen, dann erkennen wir, dass es damals das, was wir heute das Neue Testament nennen, noch gar nicht gegeben hat. Bestenfalls kursierten einige Schriftstücke, auf denen Erzählungen aus dem Leben Jesu oder seine Worte niedergeschrieben waren. Aber sie hatten keinerlei Verbindlichkeit, und so musste man sich so manchen Spott und Hohn gefallen lassen. Denn das, was für Christen wichtig war, entsprach eben nicht dem Gesetz.
So wie damals verspotten uns heute viele wegen unseres Glaubens. Das Internet macht das ganz einfach. Wenn man manche Kommentare zu Berichten, bei denen es um den christlichen Glauben geht, liest, kann man das Gefühl bekommen, so wie die Christen damals in einer heidnischen Umgebung zu leben. Wäre es nicht doch besser, die Seiten zu wechseln? Dann haben wir wenigstens was davon in diesem Leben und warten nicht auf eine zukünftige Welt.
Paulus weiß von diesem Zweifel, denn er durchlebt ihn selbst. Immerhin: er ist gefangen. Würde er sagen: das ist alles Quatsch, was ich damals gesagt habe, dann würden seine Überlebenschancen sicher deutlich besser stehen, vielleicht würde er sogar postwendend freigelassen. Immerhin ist er römischer Bürger, den hält man nicht einfach nur so gefangen.
Aber Paulus geht kein Stück zurück. Er sagt vielmehr:
Ihn, Christus, möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden und so seinem Tod gleich gestaltet werden, damit ich gelange zur Auferstehung von den Toten.“ (Phil 3, 10f)
Der Weg führt durch den Tod. Da gibt es keine Alternative. Nur wenn ich sterbe, kann ich auch die Auferstehung erfahren – und das eben nur, wenn ich daran glaube, dass Christus den Tod überwunden hat.
Wir waren im Urlaub in Rom und haben uns dort auch eine der vielen Katakomben angeschaut. Der Führer war ein Mönch, dessen Fröhlichkeit beeindruckend und ansteckend war. Die Katakomben waren keine Zufluchtsstätte, sondern dienten einzig dem Begräbnis. Allerdings war das nicht alles: die Katakomben waren auch Stätten der Hoffnung. Was man heute immer weniger auf unseren Friedhöfen wahrnimmt, gab es dort in Hülle und Fülle: Zeichen der Hoffnung auf das ewige Leben. Familienangehörige stiegen immer wieder dort hinunter, um Kraft zu schöpfen für ihr Leben. Zahlreiche Symbole weisen darauf hin, dass wir zwar irdisch sind, aber im Grunde schon Himmelsbürger.
Darauf will Paulus hinaus, dass wir das begreifen. Unser Leben kommt in Gott zur Vollendung. Darum muss kein Gesetz erfüllt werden, außer das Gesetz der Liebe, die uns offenbart wurde durch Jesus Christus, der sich selbst entäußerte und Knechtsgestalt annahm und den Menschen gleich wurde.
Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tod, ja, zum Tode am Kreuz. Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller der Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters. (Phil 2, 7-11)
Amen

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Liedvorschläge zur Predigt:
Such, wer da will, ein ander Ziel (EG 346)
Christi Blut und Gerechtigkeit (EG 350)
Ich habe nun den Grund gefunden (EG 354)
Es ist in keinem andern Heil (EG 356)
Valet will ich dir geben (EG 523)

Predigtvorschläge zu Reihe III - Mt 7, 24-27

Liebe Gemeinde!
Ich denke, dass es uns allen klar ist: ein gutes Fundament ist das A und O eines jeden Hausbaus. Je größer der Bau, desto massiver muss das Fundament sein. Und wenn der Untergrund nicht stabil ist, sollte man am besten gar nicht erst beginnen, zu bauen, oder entsprechende Vorsichtsmaßnahmen treffen.
Hierzulande ist das wohl keine Frage, aber anderswo sieht das dann gleich ganz anders aus. Wir sehen es immer wieder in den Nachrichten, wie z.B. Wassermassen eines starken Monsunregens reihenweise Häuser wegschwemmen. Manchmal ist die Macht des Wassers so groß, dass das stärkste Fundament nicht mehr helfen kann. Am ehesten sind aber solche Häuser betroffen, die kein Fundament haben – die Häuser der Armen.
Aber können sie etwas dafür? Sie können sich ein Fundament nicht leisten, und ein Dach über dem Kopf brauchen sie doch wenigstens. In Ländern, wo es kein Sozialhilfesystem gibt, baut man sich dann eben Hütten aus Wellblech oder anderen Materialien, die einen dürftigen Schutz vor Wind und Wetter bieten, aber das nächste Unwetter mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht überstehen werden. Deswegen investiert man auch nicht viel in solch eine Behausung. Das Dach über dem Kopf genügt.
Auch Wirbelstürme können ganze Häuser einreißen, wie man immer wieder in den USA beobachten kann.
Ein gutes Fundament, dazu wohl eine stabile Statik, dann hat man ein Haus, das den meisten Naturgewalten standhalten kann. Ein kleiner Vorbehalt wird immer bleiben, denn die Macht der Natur neigen wir ja doch eher zu unterschätzen, wie z.B. das Atomkraftwerk in Fukushima auf gefährliche Weise deutlich gemacht hat.

Jesus erzählt von zwei Hausbauern. Da ist einer, der klug ist und sein Haus auf einen Felsen baut (ich denke mal, er hat es auch gut am oder im Felsen verankert), und da ist der andere, der töricht ist und sein Haus auf Sand baut. Klar, der Regen spült den Sand weg, das Haus rutscht, und wenn der Sand nur an einer Ecke weg ist, dann bricht alles zusammen.
Ein kluger Mensch steht demnach einem törichten, also dummen, Menschen gegenüber. Dieses Muster taucht in den Gleichnissen Jesu öfter auf. Es dient dazu, den Hörer oder die Hörerin zu animieren, sich für eine Seite zu entscheiden.
Ich glaube, wir alle möchten uns gerne auf der Seite des klugen Bauherrn stehen sehn. Schon weil er klug ist. Aber auch, weil sein Haus Bestand hat. An diesem Haus kann nichts und niemand rütteln.
Und wir stimmen seinem Verhalten ja auch zu. Nichts ist stabiler als ein auf Felsen gebautes Haus. Aber was macht uns nun zu solch einem klugen Bauherrn?
Es ist das Hören und das Tun des Wortes Jesu.
Jesus nimmt mit diesem Gleichnis Bezug auf die Bergpredigt, die unmittelbar vor unserem Predigttext steht. Und das umfasst eine ganze Menge von Dingen, die ich uns in Erinnerung rufen möchte. Ich benutze dazu Worte aus einem Buch, das wir dem Internet zu verdanken haben.
Es heißt „Gott chillte“ und stellt eine Zusammenfassung der ganzen Bibel auf nur 330 Seiten dar in Form von Kurznachrichten, wie man sie sich heute gerne per Handy oder auf Twitter, einer Internet-Plattform, schickt:
(Gott chillte, S. 239-240)
(Der Text darf aus urheberrechtlichen Gründen hier nicht wiedergegeben werden)
Das war so etwa die Kurzfassung der Bergpredigt, an deren Ende unser Predigttext steht.
Es sind da eine ganze Menge von Grundregeln niedergeschrieben, an denen wir wohl fast alle scheitern oder irgendwann in unserem Leben gescheitert sind.
Und von diesen Grundregeln sagt Jesus: Wer diese meine Rede hört und tut, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute.
Und dann: Wer diese meine Rede hört und nicht tut, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute.
Es geht darum, die Worte Jesu aus der Bergpredigt nicht nur zu hören, sondern auch zu tun!
Also müssten wir doch, wenn wir ehrlich sind, eher unseren Platz bei dem törichten Bauherrn suchen. Denn hören tun wir die Rede wohl, aber tun... das fällt manches Mal ungeheuer schwer oder scheint gar völlig unmöglich.
Das haben auch die Zuhörer damals empfunden. Matthäus beschreibt es so: „Und es begab sich, als Jesus diese Rede vollendet hatte, dass sich das Volk entsetzte über seine Lehre; denn er lehrte sie mit Vollmacht und nicht wie ihre Schriftgelehrten.“ (Mt 7, 28-29) Das Volk entsetzte sich, weil sie von dem Wort getroffen waren. Sie erkannten schlagartig, worum es geht: die eigene Existenz. Denn wenn sie diese steilen Thesen nicht befolgen würden, dann wären sie verloren. Aber so zu handeln, war auch damals eine ungeheure Herausforderung und kaum möglich.
Darum meinen auch viele, die Bergpredigt sei nicht geeignet für das menschliche Zusammenleben; andere aber sehen in ihr tatsächlich die Grundlage für ein menschliches Miteinander. Ich schließe mich dem an, auch wenn die Ansprüche der Bergpredigt sehr hoch sind und ich sie meist doch nicht erfüllen kann. Aber es sind Ideale, denen ich nacheifern und die ich nicht nur einfach zur Kenntnis nehmen will.
Der törichte und der kluge Mann – diese Gegenüberstellung kann leicht zu Polarisierungen führen. Man grenzt sich ab, wird fundamentalistisch, wir brauchen ja auch ein Fundament. Alle, die sich nicht dran halten, sind verloren und werden links liegen gelassen oder gar angefeindet.
Aber darauf will dieses Gleichnis nicht hinaus.
Wir sollen es vielmehr als Ermutigung verstehen, uns ans Werk zu begeben. Denn so sehr wir darauf vertrauen dürfen, dass all unsere Schuld durch die Gnade Gottes und das Blut Jesu Christi vergeben wird, so sehr sind wir aufgefordert, dieses Geschenk der Gnade Gottes in unserem Leben sichtbar werden zu lassen und eine völlig neue Lebenswirklichkeit für alle Menschen zu schaffen.
Denn wenn wir mit Gott versöhnt sind, brauchen wir nichts weiter. Das ist nach biblischem Verständnis das Wesentliche menschlicher Existenz, dass wir mit Gott versöhnt werden. Alles andere, alles, was mit dem menschlichen Miteinander-Leben zu tun hat, ergibt sich dann aus dieser Tatsache:
als mit Gott versöhnte
sind wir bereit, für Frieden einzutreten;
wir sind das Licht und das Salz der Welt;
wir sind bereit, unser Hab und Gut mit anderen Menschen zu teilen;
wir achten unsere Mitmenschen als geliebte Geschöpfe Gottes;
wir sind bereit, unserem Feind mit Liebe zu begegnen;
wir urteilen nicht über andere und vor allem: wir verurteilen sie nicht;
wir sorgen uns nicht um das Morgen, weil Gott für uns sorgt;
wir vertrauen darauf, dass Gott unsere Gebete erhört.

Luthers wesentliche Wiederentdeckung war, dass wir allein aus Gnade gerechtfertigt werden. Da helfen keine Werke. Und damit hat er auch Recht. Aber er hat diese Erkenntnis zu einer Zeit gewonnen, als die Menschen alles taten, um ein Gott wohlgefälliges Leben zu führen, aus Angst, die Gnade Gottes zu verwirken. Also betonte er den Aspekt des „ohne Werke“ ganz besonders.
Leider hat diese Betonung dazu geführt, dass viele angenommen haben, es sei ja egal, was man tut, Gott vergibt einem, und damit ist es gut.
Heute geht es häufig noch weiter. Viele Menschen meinen: es ist egal, was ich tue, Hauptsache, es macht mir Spaß.
Wer so denkt, gleicht dem Menschen, der sein Haus auf Sand baut, denn sein Leben hat keine Grundlage, kein Fundament. Ein solches Leben ist Ich-bezogen, es ist egoistisch. Und das widerspricht dem Willen Gottes.
Die Gnade Gottes, die uns durch Jesus Christus zuteil wird, bringt uns in Bewegung – nicht für uns selbst, denn da ist ja alles getan. Sie ist gewissermaßen der Anlasser, so wie bei einem Motor, damit wir tun können, was wir gehört haben.

Beim Bau eines Domes wurden drei Steinmetze gefragt, was sie tun. Der eine sagte: „Ich haue Steine.“ Der andere sagte: „Ich verdiene Geld.“ und der dritte sagte: „Ich baue am Dom.“

Es geht darum, dass wir unser Leben im Ganzen des Planes Gottes zu sehen versuchen. Wir haben unseren Platz in einem Plan, dem Plan Gottes, der ein Plan der Liebe ist für alle Menschen. Stellen wir es uns vor als die Stadt Gottes, an der wir mitbauen dürfen.
So tun wir nicht nur einfach irgend etwas, und es ist vor allem nicht egal, was wir tun, sondern wir beginnen, am Reich Gottes zu bauen, indem wir den Worten Jesu folgen. Und das ist doch eine große, eine lohnende Aufgabe, über die wir uns eigentlich nur freuen können!
Amen

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Liedvorschläge zur Predigt:
Gott der Vater steh uns bei (EG 138)
Herr, für dein Wort sei hochgepreist (EG 196, 1.2.5.6)
Ich weiß, woran ich glaube (EG 357)
Was mein Gott will, gescheh allzeit (EG 364)
Wer nur den lieben Gott läßt walten (EG 369)
Ich weiß, mein Gott, dass all mein Tun (EG 497 - Wochenlied!)
Wohl dem, der auf ihn trauet (EG 527, 10)

Predigtvorschläge zu Reihe IV - Mt 25, 14-30

Liebe Gemeinde!

Es ist schon ein interessantes Gleichnis, das von den anvertrauten Zentnern.
Es fängt schon damit an, dass von diesem Gleichnis unser Wort „Talent“ herrührt. In anderen Übersetzungen wird hier nämlich meist von Talenten gesprochen, auch in älteren Luther-Übersetzungen finden wir es, und tatsächlich steht genau dieses Wort auch im griechischen Urtext.
Aber dort meint es eigentlich nur eine Maßeinheit, deren Umfang man nicht mehr genau feststellen kann. Man weiß nur: es ist sehr viel. Und so ist man später dann dazu übergegangen, anstatt von Talenten von Zentnern zu reden, wobei unklar bleibt, was hier eigentlich zentnerweise verteilt wird. Die Vermutung liegt aber nahe, dass es sich um Geld handelte.
Tatsächlich stammt das uns bekannte Wort „Talent“ genau von diesem Gleichnis her. Schon früh bezeichnete man in der deutschen Sprache eine von Gott gegebene Gabe als Talent, so wie wir es auch heute tun, wobei viele Menschen wohl nicht mehr an Gott denken, wenn sie einem anderen Menschen zugestehen, dass er Talent habe.
Unser Gleichnis aber stellt eine unmittelbare Verbindung zu Gott her. Denn Jesus will uns mit seinen Gleichnissen immer etwas über das Verhältnis von Gott und Mensch vermitteln, und auch hier steht ja am Anfang die Formulierung: „Das Himmelreich gleicht einem Menschen...
Und dann wird die Geschichte erzählt als Sinnbild für das Himmelreich. Hier geht es also um uns und um Gott.
Die Knechte, das sind wir. Soweit kann man sich noch gut zurechtfinden. Offenbar sind die anvertrauten Talente derart, dass sie sich vermehren, wenn man sie einsetzt, wenn man sie benutzt – so wie eben Geld, das man zur Bank bringt, wobei das heute ja nicht mehr viel einbringt, oder mit dem man selber spekuliert, indem man was auch immer billig ein- und teuer verkauft.
Im Gleichnis, also im Bild, wenn man so will, geht es dann auch ganz gewinnorientiert weiter. Der Eigentümer – und das dürfte wohl Gott sein – erwartet von seinen Knechten, dass sie ordentlich Rendite erwirtschaften.
Da wir nicht wissen, wie viel Zeit ihnen gegeben ist – nach langer Zeit, heißt es, kam der Herr (Mt 25, 19) zurück – kann man daraus nur schwer ableiten, wie hoch die Rendite tatsächlich war und ob die Erwartungen des Herrn im Grunde überzogen waren. Aber einen Betrag zu verdoppeln, das schafft man nicht eben mal in einem Jahr, es sei denn, man geht ein sehr hohes Risiko ein, bei dem man auch alles verlieren könnte.
Warum geben sich die beiden ersten Knechte so viel Mühe?
Nun, es gibt so etwas wie eine Beförderung, die ihnen aber auch mehr Verantwortung überträgt und damit das Risiko, dass sie ihren Job verlieren könnten, wenn sie versagen, erhöht.
Man stelle sich nur mal vor, unsereiner bekommt eine Million Euro in die Hand gedrückt mit dem Auftrag, es gut zu verwalten, macht daraus zwei Millionen und kriegt am Ende nichts davon ab, außer vielleicht einer Beförderung, die mit mehr Arbeit und Verantwortung einhergeht. Mehr Geld gibt es übrigens nicht – Knechte bekamen Kost und Logis, das war alles in der damaligen Zeit, ganz unabhängig davon, wie viel sie tatsächlich leisteten. Denn sie waren das ihrem Herrn schuldig.
Nach damaliger Vorstellung war es Aufgabe des Knechtes, stets den Vorteil seines Herrn zu suchen und nichts für sich selbst zu erwarten. Und da das Gleichnis für Menschen in solch einer Zeit entstanden ist, mag das also auch in Ordnung sein.
Es weist auch hin auf unser Verhältnis zu Gott, das zunächst einem solchen Verhältnis von Knecht und Herr entspricht, so dass wir am Ende eigentlich immer nur sagen können: „Wir sind unnütze Knechte – wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren.“ (Lk 17, 10)
Das Gleichnis ist damit aber noch nicht zu Ende. Da ist noch der dritte, der brav den Zentner vergrub aus Angst, bei Spekulationen Geld zu verlieren.
So richtig verstehen kann man den Knecht auch nicht. Er hätte ja tatsächlich, wie sein Herr ihm dann ja auch vorhält, das Geld zu den Wechslern geben können. Da wäre eine gewisse Rendite garantiert gewesen. Er hätte nichts falsch machen können!
Aber nein, er hat Angst, dass vielleicht auch die Geldwechsler pleite gehen oder sich vielleicht aus dem Staub machen, und vergräbt das Talent, das ihm gegeben war. Ganz Unrecht hat er damit nicht – auch heute können Banken pleite machen, und sogenannte Sicherungsfonds, die wenigstens den Betrag sichern, den man eingezahlt hat, gab es damals noch nicht und reichen auch heute manchmal nicht zur Deckung aus.
Die Konsequenz ist: er muss den Zentner, das Talent abgeben. So, als ob ihm der Zentner je gehört hätte. Dabei ist das gar nicht der Fall. Er hatte es ja nur verwalten dürfen.
Nnun wird jedenfalls das Talent dem gegeben, der schon 10 Talente hat.
Natürlich gehört diesem Knecht nun nicht etwa das Geld, sondern er darf weiterhin die 10 Talente verwalten und bekommt nur noch ein Elftes dazu. Eine große Menge Geldes, mit der er schalten und walten kann, wie er es für richtig hält, aber immer zum Wohl dessen, dem das Geld gehört: zum Wohl seines Herrn.
Ein Broker ist er, um mal dieses Wort aus unserer Zeit zu gebrauchen, dem es so lange gut geht, wie die Konjunktur stimmt und wie er selbst den richtigen Riecher hat für die Veränderungen auf dem Markt.
Doch wehe, wenn er einmal die falsche Entscheidung trifft. Da geht es dann nicht zu wie mit den Managern in unseren Banken, die trotz zahlreicher Fehlentscheidungen immer noch einen Bonus ausgezahlt bekommen.
Nein, hier wird Tacheles geredet. Wer versagt, fliegt raus! Und er darf natürlich auch nichts mitnehmen! Von einer Abfindung ganz zu schweigen. So ergeht es jedenfalls dem Knecht, der mit dem einen Zentner nichts unternommen hat.
Soweit können wir uns eigentlich noch ganz gut zurechtfinden in diesem Gleichnis, solange es nur um die Banker geht. Aber es geht in diesem Gleichnis um uns. Um jeden einzelnen von uns.
Und da ist die Quintessenz des Gleichnisses beängstigend: wer nicht Gewinn erwirtschaftet, fliegt raus, und das Draußen ist dabei nicht etwa ein halbwegs gesichertes Dasein mit Arbeitslosengeld oder wenigstens Hartz IV. Es ist vielmehr die Verdammnis, die Finsternis, der Ort, wo man nur noch heulen kann und an dem man auf keinen Fall sein möchte.
Und das darf erwarten, wer nichts vorzuweisen hat, wer das, was ihm anvertraut wurde, verbarg und es nicht zum Einsatz brachte, aus Angst, er könne bestraft werden.
Doch was sind nun diese Talente?
Es geht hier sicher nicht um Begabungen, auch wenn man das aus diesem Wort natürlich gerne ableiten wollte. Aber es ist ja umgekehrt: unser Wort leitet sich von diesem Gleichnis ab – es hatte diese Bedeutung noch nicht, als Jesus das Gleichnis erzählte.
Und wir wissen ja auch: Nicht jeder Mensch hat eine Begabung, aus der sich etwas machen lässt. Oder die Begabung wurde bereits in jungen Jahren derart unterdrückt, dass sie auch später nicht mehr zur Entfaltung kommen kann. Und dann kann man es diesem Menschen doch wirklich nicht vorwerfen, nichts aus der Begabung gemacht zu haben.
Nein, es muss schon etwas anderes sein, und da es hier um das Himmelreich geht und damit um Jesus und die Botschaft von der Liebe Gottes, liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei den Talenten um gerade diese Botschaft handelt.
So wie im Gleichnis mutet Gott uns dabei nie zu viel zu. Er teilt aus, so wie es den Fähigkeiten entspricht. Der eine kriegt eine größere Verantwortung übertragen als der andere. Das ist alles, was die unterschiedliche Menge der Talente vermitteln will.
Der Lohn ist, was erst bei der Deutung des Gleichnisses wirklich wichtig wird, neben der verantwortungsvolleren Stellung auch die Gemeinschaft mit dem Herrn.
Denn beide werden eingeladen zu des Herrn Freude, was man wohl so verstehen darf, dass sie mit dem Herrn an einem großen Festmahl teilnehmen dürfen, dass sie ihm nahe sein werden. Und das deutet auf die himmlische Gemeinschaft mit Gott hin, nach der wir uns sehnen und auf die wir hoffen nach der Verheißung, die uns gegeben ist.
Der dritte Knecht darf solchen Lohn nicht erwarten. Die Angst vor der Strafe hat dazu geführt, dass er bestraft wird. Das scheint paradox, aber es ist in Wahrheit nur konsequent. Denn der Knecht hat dem Evangelium nichts zugetraut. Auch wenn er scheinbar alles getan hat, was nötig ist, um den Bestand zu sichern, so hat er dabei doch vergessen, dass es nicht um Geld geht, nicht um irgendeinen Wertgegenstand, sondern um das Evangelium, das uns da anvertraut ist und das in die Welt hinausgetragen werden will.
Und da ist solche Furcht nicht angebracht. Denn das Wissen von Gott, diese Botschaft von der Liebe Gottes, die wir durch das Evangelium erfahren haben, kann uns nicht schaden, wenn wir sie weitergeben. Im Gegenteil: wir erfahren die Gemeinschaft der Heiligen, in der wir wahrhaft gut aufgehoben sind.
Das Evangelium lebt davon, dass es unter die Leute kommt. Es kann dadurch nicht geschmälert werden, im Gegenteil: es wird immer mehr werden. Mehr Menschen werden es aufnehmen, mehr Herzen werden dadurch verwandelt – wenn wir es nur weitersagen.
Es spielt dabei auch gar keine Rolle, wie viel einem anvertraut ist. Auch ein einfältiger Glaube, vielleicht sogar gerade der, kann Wunder wirken. Auf jeden Fall wirkt er auf die Menschen, die ihn erleben und erfahren.
Man muss auch nicht Profi sein, um das Evangelium weiter zu sagen. Man muss dafür keine sieben oder acht Jahre Theologie studiert haben.
Denn vieles kann man auch ohne solche Studien tun. Es geht ganz einfach. Schon indem man nicht auf das Tischgebet verzichtet – nicht nur zu Hause, sondern z.B. auch im Restaurant – wird deutlich, dass wir uns von der Liebe Gottes getragen wissen.
Indem wir uns unseren Mitmenschen in Liebe zuwenden, ohne dabei zu unterscheiden zwischen diesen oder jenen, geben wir auch die Liebe Gottes weiter. Und wenn wir davon reden, wie Gott in unserem Leben wirkt, dann lassen wir erkennen, dass er der Lebendige ist. Um das zu tun, muss man nicht studiert haben.
Wir brauchen dabei keine Angst davor zu haben, was für Folgen unser Tun haben könnte. Wir können, wie gesagt, nichts verlieren, sondern nur gewinnen. Denn das Evangelium, die gute Botschaft von der Liebe Gottes, wirkt selbst in den Menschen, die sie erfahren, und es wirkt in einer guten Weise.
Es unterscheidet sich ganz fundamental vom Geld, das in diesem Gleichnis ja auch nur als Vehikel benutzt wurde: das Evangelium kann niemals weniger werden, sondern nur mehr. Es kann niemals an Kraft verlieren, sondern nur stärker werden.
Letztlich belohnt Gott nicht die Vermehrung dessen, was uns anvertraut ist, sondern den Einsatz, den wir dabei leisten.
Also fassen wir Mut, geben wir weiter, was uns Trost und Kraft gibt, laden wir ein zur Erfahrung der Liebe Gottes, damit auch uns einst gesagt wird: Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht, (oder auch: du tüchtige und treue Magd), du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; Geh hinein zu deines Herrn Freude.
Amen

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Liedvorschläge zur Predigt:
Es ist gewisslich an der Zeit (EG 149)
Es ist in keinem andern Heil (EG 356)
Die ganze Welt hast du uns überlassen (EG 360)
Lass mich, o Herr, in allen Dingen (EG 414)
Hilf, Herr meines Lebens (EG 419)
Komm in unsre stolze Welt (EG 428)
Gib Frieden, Herr, gib Frieden (EG 430)
Gott gab uns Atem, damit wir leben (EG 432)
Sein sind die Güter (EG 513, 6)

Predigtvorschläge zu Reihe V - 1. Kön 3, 5-15(16-28)

Die nachfolgende Predigt wurde über 1. Kön 3, 16-28 gehalten:

Liebe Gemeinde!
Es ist eine bedrückende Geschichte, wenn man sie aus der Sicht der beiden Frauen betrachtet. Man bekommt durch sie einen kleinen Einblick in die Abgründe menschlicher Existenz.
Zwei Huren sind es, die Weisung und Rat vom großen König erwarten. Huren, deren Dienste zwar immer gerne in Anspruch genommen wurden, deren Gesellschaft man im Alltag aber möglichst mied, weswegen sie in den einschlägigen Häusern nicht nur ihre Dienste anboten, sondern auch dort lebten.
Aufgrund der damals unzureichenden Verhütungsmittel blieb es nicht aus, dass sie hin und wieder schwanger wurden. Nicht immer wurden die Kinder auch geboren, aber oft griff man zu pflanzlichen Mitteln, die dann zu einer Fehlgeburt führten, denn eine hochschwangere Hure kann kaum mehr ihren Lebensunterhalt verdienen.
Einen Sohn zu haben, war jedoch etwas Gutes. Es bedeutete vor allem, dass der Lebensabend gesichert sein würde. Denn auch wenn Huren nicht gerade ein hohes Ansehen in der Gesellschaft genossen, so konnten ihre Söhne doch einem ordentlichen Beruf nachgehen und Land erwerben.
Nun hatten die beiden fast gleichzeitig einen Sohn geboren. Sicher waren sie voller Freude über ihre Kinder – es ist anders nicht vorstellbar. Aber dann geschieht das, was jede Mutter fürchtet: eines der beiden Kinder stirbt. Man mag sich das Entsetzen der Mutter, in deren Armen am Morgen das tote Kind lag, gar nicht vorstellen. Es ist ein unerträglicher Gedanke.
Dem Entsetzen folgt die Trauer, und in der Trauer schaut sie das Kind noch einmal an, um sich zu erinnern an die wenigen Tage und Wochen, die sie gemeinsam nach der Geburt erleben durften. Und sie erkennt: das ist nicht mein Kind. Sie, die andere, hat mein Kind genommen und ihr eigenes, totes Kind mir untergeschoben.
Sicher war sie zornig, sie forderte ihr Kind zurück, und als alles Verlangen und Drohen nicht half, wird sie vorgeschlagen haben, zum König zu gehen, um sein Urteil zu hören. Denn vor den König sollten die schwerwiegenden Dinge gebracht werden, die die gewöhnlichen Richter nicht zu entscheiden wagten. Der Köng war gewissermaßen der oberste Gerichtshof.
Und so traten sie vor ihn mit ihrem Anliegen. Sie erzählen nichts davon, dass sie Huren sind, denn man erkennt sie an ihrer Kleidung und ihrem Schmuck.
Für den König Salomo ist es unmöglich, eine Entscheidung zu treffen. Er weiß nicht, welche von den beiden Frauen die Wahrheit sagt, obwohl er vielleicht am Minenspiel der Gesichter schon erkennen könnte, wer Recht hat. Aber das alleine genügt nicht, um eine sichere Entscheidung zu treffen.
Er entscheidet sich, das Urteil auf eine scheinbar sehr grausame Weise herbeizuführen – eine Weise, die das wahre Wesen der Frau, deren Kind gestorben war, offenbaren würde. Doch das ist den Menschen am Hof nicht bewusst, und ich kann mir vorstellen, dass manche bei sich dachten: Recht hat er: wenn die beiden Frauen sich nicht einigen können, soll keine etwas von dem Kind haben. Und andere werden bei sich gedacht haben: das wird sein Ende sein. Wenn er vor den Augen aller ein unschuldiges Kind töten lässt, hat er das Recht, König zu sein verwirkt.
Die Szene ist uns allen vertraut. Salomo lässt ein Schwert holen, um das Kind in zwei Teile zu teilen. Was für ein grausamer Befehl! Und wie ist es möglich, dass die Soldaten diesem Befehl nicht widerstehen! Und wie kann die eine Frau tatsächlich den Tod des Kindes verlangen, anstatt ihre Schuld zu erkennen und das Kind der anderen Frau zuzusprechen!
Es ist eine bedrückende, ja, eine düstere Geschichte, die uns von der Weisheit des großen Königs Salomo erzählt. Sie ist gezeichnet von tiefer Grausamkeit und Herzlosigkeit, nicht nur auf der Seite der einen Frau, sondern auch auf der Seite des Königs.
Was hätte er getan, wenn beide Frauen nicht reagiert hätten? Konnte er sich der Muttergefühle der einen so sicher sein?
Oder was wäre geschehen, wenn beide Frauen gesagt hätten, die andere solle das Kind haben?
Nun, es ist weder so noch anders gekommen. Vielleicht hatte Salomo genau das erkannt. Vielleicht wusste er, bevor die Situation eintrat, bereits, dass die Mutter das Kind lieber der anderen Frau zusprechen würde, und dass die andere Frau lieber das Kind tot sehen wollte, als bis ins Alter die Schuld mit sich tragen zu müssen. Vielleicht hat er darum auf diese Weise Klarheit schaffen wollen. Denn ein solches Urteil prägt sich ein. Es bringt die Abgründe menschlicher Existenz zutage – aber auch die Liebe, von der sie getragen wird – die Liebe einer Mutter.
Und das ist es vielleicht, was wir aus dieser Erzählung lernen können: dass die Liebe am Ende, trotz aller Grausamkeit, trotz aller Abgründe, eben doch den Sieg davon trägt.
Salomos Weisheit ist sprichwörtlich geworden, doch bleibt es bei diesem einen Beispiel. Seine Weisheit wird aber noch an einmal deutlich erkennbar, dann nämlich, als er anlässlich der Tempelweihe betet:
HERR, Gott Israels, es ist kein Gott weder droben im Himmel noch unten auf Erden dir gleich, der du hältst den Bund und die Barmherzigkeit deinen Knechten, die vor dir wandeln von ganzem Herzen; 24 der du gehalten hast deinem Knecht, meinem Vater David, was du ihm zugesagt hast. Mit deinem Mund hast du es geredet, und mit deiner Hand hast du es erfüllt, wie es offenbar ist an diesem Tage. 25 Nun, HERR, Gott Israels, halt deinem Knecht, meinem Vater David, was du ihm zugesagt hast: Es soll dir nicht fehlen an einem Mann, der vor mir steht, der da sitzt auf dem Thron Israels, wenn nur deine Söhne auf ihren Weg Acht haben, dass sie vor mir wandeln, wie du vor mir gewandelt bist. 26 Nun, Gott Israels, lass dein Wort wahr werden, das du deinem Knecht, meinem Vater David, zugesagt hast.
27 Aber sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen – wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe? 28 Wende dich aber zum Gebet deines Knechts und zu seinem Flehen, HERR, mein Gott, damit du hörst das Flehen und Gebet deines Knechts heute vor dir: 29 Lass deine Augen offen stehen über diesem Hause Nacht und Tag, über der Stätte, von der du gesagt hast: Da soll mein Name sein. Du wollest hören das Gebet, das dein Knecht an dieser Stätte betet, 30 und wollest erhören das Flehen deines Knechts und deines Volkes Israel, wenn sie hier bitten werden an dieser Stätte; und wenn du es hörst in deiner Wohnung, im Himmel, wollest du gnädig sein.
(1. Kön 8, 22-30)
Gott schenkte Salomo Weisheit, so dass er Lösungen fand, wo andere keine Lösung mehr sehen konnten. Er bat um diese Weisheit. Und ich glaube, dass auch wir solche Weisheit empfangen können, wenn wir Gott darum bitten. Dann wird es uns jedenfalls leichter fallen, eine Entscheidung zu fällen, wo uns zwei oder gar mehr Möglichkeiten vorgelegt werden.
Gott schenkt uns Gaben, von denen wir oftmals nicht ahnen, dass sie in uns schlummern. Gott will, dass wir sie gebrauchen.
Amen

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Liedvorschläge zur Predigt:
Herr, wie du willst, so schick's mit mir (EG 367)
O Gott, du frommer Gott (EG 495)
Ich weiß, mein Gott, dass all mein Tun (EG 497)

Predigtvorschläge zu Reihe VI - Mt 13, 44-46

Für die nachfolgende Predigt wurde ein Ersttagsbrief (ETB) als „Schatz” verwendet. Da anzunehmen ist, dass dieser ETB nicht vorliegt, kann natürlich auch ein anderer Gegenstand benutzt werden, durch den das Besondere und vor allem die persönliche Begeisterung für diesen Gegenstand deutlich wird.
Am Ende wird auf ein für die Gemeinde besonderes Ereignis eingegangen, wozu etwas Passendes aus dem eigenen Umfeld gesucht werden müsste.


Liebe Gemeinde! (ETB Heinrich Heine DDR 1956 sichtbar hochhalten). Ich habe hier einen ETB. ETBs sind etwas Besonderes: die Post gibt sie nur am Erscheinungstag der Briefmarke heraus, und die Marken werden abgestempelt mit einem Sonderstempel, der speziell für den Anlass, für den diese Briefmarke veröffentlicht wurde, angefertigt wird. Dieser ETB hier wurde zum 100. Todestag von Heinrich Heine in der damaligen DDR im Jahr 1956 herausgegeben. Heute ist dieser Brief das 100-fache des Betrages, den die Briefmarken darstellen, wert. Das ist zwar noch keine überwältigende Summe, aber es deutet schon darauf hin, dass es sich um einen besonderen ETB handelt, den es nicht so oft gab. Ich habe diesen Brief für ein Zehntel seines heutigen Wertes erworben. Wäre es da nicht richtig, wenn ich sofort versuchen würde, daraus Kapital zu schlagen? Ich könnte den Brief sicher wenigstens für das Doppelte von dem, was ich bezahlt habe, wieder verkaufen. Aber irgendwas hindert mich daran, diesen Schritt zu tun. Denn ich halte selbst diesen Brief für etwas Besonderes. Zum einen ist er älter als ich. Er dokumentiert eine Zeit, in der die DDR noch nicht durch eine Mauer von der BRD getrennt war. Er erinnert an Zeiten, wo die Briefpost noch viel bedeutender war, wo das Telefon noch zum Luxus gehörte und das Briefeschreiben zum täglichen Brot. Und darum ist er natürlich auch ein Beleg aus unserer eigenen Geschichte. Meine Eltern haben solche Briefmarken vielleicht selbst in Händen gehabt und damit ihre eigene Post frankiert. So gibt es viele Dinge, die mich daran hindern, diesen ETB einfach wieder zu verkaufen. Ich würde ihn wahrscheinlich auch dann nicht verkaufen, wenn ich das hundertfache von dem, was ich dafür bezahlt habe, bekommen würde. ... Ganz ähnlich ging es diesem Menschen, der den Acker kaufte, oder dem, der die kostbare Perle fand. Sie unterscheiden sich beide von mir nur dadurch, dass ich nur einen kleinen Betrag bezahlt habe, um mein Schmuckstück zu bekommen, sie aber all ihren Besitz verkauften, um diese eine Perle, um diesen Schatz im Acker zu besitzen. Sicher, sie hätten damit Schätze gewonnen, wertvolle Stücke, die sie wieder hätten mit Gewinn verkaufen können, aber das wollten sie ja nun gerade nicht. Sie wollten diese wunderschönen Schätze behalten, um sich an ihnen zu erfreuen, so wie ich meinen ETB behalten möchte, um mich daran zu erfreuen. Jesus vergleicht dieses Verhalten mit dem Himmelreich. Das ist wichtig, dass wir das richtig verstehen. Meist wird dieses Doppelgleichnis so verstanden, dass der Schatz oder die Perle mit dem Himmelreich verglichen wird, aber so ist es gerade nicht. Es ist das Verhalten dieser beiden Menschen, die, da sie das, was sie lange gesucht haben, endlich fanden, alles aufgeben, um diesen Fund ihr Eigentum nennen zu können. Dann drängt sich natürlich die Frage auf: wie kann ich ein Reich - das Himmelreich - mit einem Verhalten vergleichen? Es ist ja auch nicht so sehr das Verhalten, also der Kauf, sondern vielmehr das Gefühl, etwas gefunden zu haben, was so kostbar ist, dass man es nicht wieder hergeben möchte, worum es hier geht. Das Gefühl, es zu besitzen, es sein Eigentum nennen zu können und es nicht wieder hergeben zu müssen, dieses Gefühl ist dem Himmelreich vergleichbar. ... Lieber würde ich mir das Himmelreich vorstellen als einen unermesslich großen, wunderschönen Raum, in dem es nichts mehr gibt, was mir Sorgen macht, was Menschen Schaden zufügt oder sonstwie traurig macht. Ein Raum, in dem sich alle wohlfühlen, in dem Frieden herrscht, in dem sich alle verstehen, es keine Missverständnisse mehr gibt. Solch einen Raum kann ich mir vorstellen, das schafft mein Vorstellungsvermögen, aber das wäre wohl zu eng, zu klein, und vor allem: es wäre zu weit weg. Denn von diesem Raum kann ich hier in unserer Welt nichts erkennen. Hier ist Hass, Misstrauen, Missgunst, Eifersucht, Betrug, Ausbeutung, Gleichgültigkeit.
Jesus will uns mit diesem Gleichnis das Himmelreich, das Reich Gottes, ganz nahe bringen, so nahe, dass wir schon jetzt daran teilhaben, dass wir es schon jetzt erfahren können. Die Freude über etwas Kostbares: ein ganz klein bisschen habe ich sie empfunden, als ich diesen ETB in Händen hielt. Aber das ist natürlich noch nicht das Himmelreich. Und darum stellt sich mir nun unweigerlich die Frage: Was ist es, das ich finden, das ich festhalten soll, damit ich das Himmelreich erfahren kann? - Es gibt eigentlich nur eine Antwort:
Es ist die Liebe Gottes, die mir vergibt, wenn ich anderen wehgetan habe. Es ist die Liebe Gottes, die mir vergibt, wenn ich seinen Willen missachte und meinen eigenen Dickkopf durchsetzen will; es ist die Liebe Gottes, die mir das Gefühl der Geborgenheit schenkt, wenn ich mich verlassen und allein fühle. Es ist die Liebe Gottes, die mir Mut macht, wenn ich Angst habe. Diese Liebe Gottes ist überwältigend. Sie ist es, die ich von ganzem Herzen will. Aber käuflich erwerben kann ich sie nicht. Das Gleichnis will uns das ja auch nicht vermitteln. Das Himmelreich ist nicht wie der Schatz im Acker, sondern wie der Mensch, der einen Schatz fand und dann alles hergab, um diesen Schatz zu besitzen - wie ein Mensch, der bereit ist alles aufzugeben, weil er weiß, dass das, was er dadurch gewinnt, viel wertvoller ist. Wir leben in einer Gesellschaft, die es überflüssig macht, etwas aufzugeben. Es geht uns gut, und wir können unseren christlichen Glauben leben, ohne dabei irgendein Risiko einzugehen. Aber können wir das Himmelreich erfahren, wenn alles so einfach ist? Vielleicht ist es gerade für uns, in unserer Situation, besonders schwer, diese Erfahrung zu machen, etwas Einzigartiges gefunden zu haben. Vielleicht ist es schon zu selbstverständlich geworden, dass es uns gut geht. Was brauchen wir denn noch? Haben wir nicht alles? Vielleicht müssen wir aufpassen, dass wir die Begeisterung, die in diesem Gleichnis angesprochen wird, nicht verlieren, dass wir nicht zu selbstverständlich davon ausgehen, die Liebe Gottes schon gefunden zu haben. Vielleicht müssen wir noch auf der Suche nach diesem Schatz bleiben, dessen Fund unser Leben so gründlich verändert, dass wir uns vielleicht selbst am Ende nicht wiedererkennen. Einen Anfang machen wir heute dadurch, dass wir das Heilige Abendmahl feiern: Gottes Liebe wird ja gerade darin sichtbar, dass er sich so ganz bedingungslos mit uns vereinigt in diesem Mahl. Wir essen und trinken den Leib und das Blut unseres Herrn Jesus Christus, ohne dass wir etwas aufgeben müssen. Ein wunderbares Geschenk, das Gott uns hier macht, Nahrung für den Weg, den wir nicht mit den Füßen, sondern mit dem Herzen gehen. Ein Geschenk, für das wir nichts hergeben müssen. Aber stellen wir uns nur mal einen Moment lang vor, wir lebten in einer Situation, in der die Feier des Abendmahls lebensgefährlich ist, in einem Land, dessen Gesetze nur eine Religion erlauben, die nicht die christliche ist: wären wir bereit, dieses Risiko einzugehen, um diese Erfahrung der gemeinsamen Feier zu machen? Immerhin: wenn wir das Abendmahl feiern, dann sind wir ja nicht nur in der Gemeinschaft mit Gott, sondern auch mit allen, die zu Jesus Christus gehören, nicht nur in diesem Raum, sondern in der ganzen Welt und über den Tod hinaus. Wir haben Gemeinschaft mit denen, die vor uns heimgegangen sind. Diese Feier der Gemeinschaft und der Vergebung ist etwas einmalig Schönes und Wunderbares, schon etwas wert. Aber würden wir wirklich so weit gehen? Gestern feierten wir Schulgottesdienst, aber nicht in unserer Kirche, denn es war eine besondere Feier. Diesmal wurden Gebete gesprochen, die für unsere Ohren fremd klangen, Gebete in türkischer Sprache. In ihnen wurde Allah angerufen, das bedeutet »Gott«, nichts weiter. Aber in den Ohren vieler Menschen klingt das fremd, ja, bedrohlich. Für den Imam, den Vorbeter der Muslime, der mit einigen anderen Vertretern der Moschee an diesem Gottesdienst in der Mehrzweckhalle teilnahm und eines der Gebete sprach, war dies auch eine ungewöhnliche, vielleicht sogar eine gefährliche Situation. Es gibt unter den Muslimen genauso wie unter den Christen Menschen, die in dem Glauben des anderen nur eine Bedrohung sehen können. Dabei glauben wir beide an den gleichen Gott, den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Unsere Wege haben sich zwar vor vielen Jahrhunderten getrennt, aber gestern wurden sie für uns zum ersten Mal wieder einander nähergebracht.
Was mich am gestrigen Tag besonders beeindruckt hat, war die Losung, die ja immer schon lange vorher ausgelost wird. Ich will sie Ihnen vorlesen, sie steht im 2. Buch Mose im 23. Kapitel:
Die Fremdlinge sollt ihr nicht unterdrücken; denn ihr wisst um der Fremdlinge Herz, weil ihr auch Fremdlinge in Ägypten gewesen seid.
Dieses Wort, das Gott uns für diesen Tag schenkte, war für mich eine Bestätigung dessen, was wir vorhatten. Und dieser Einschulungsgottesdienst, den Muslime und Christen gemeinsam gestalteten, löste in mir ein Gefühl aus, das ich gerne festhalten möchte. Wurde hier vielleicht das Himmelreich spürbar? Amen
oder
Diese Ansprache wurde 2017 in einem Seniorenkreis gehalten:

Liebe Gemeinde,
Als die Perikopenordnung (so nennt man die Reihe der Predigttexte, die sich alle 6 Jahre wiederholt) zuletzt revidiert wurde, hatte man sich noch Gedanken darüber gemacht, wie die Texte zusammengehören können und welche Schwerpunkte sie setzen würden.
Bei der jüngsten Perikopenrevision, die 2018 in Kraft treten soll, scheint mir dieser Aspekt in den Hintergrund getreten zu sein, weil man viele Änderungen aus Gründen der Gefälligkeit – also was gefällt den Gottesdienstbesuchern (und Predigern) wohl am besten? - vorgenommen hat.
Aber so weit sind wir noch nicht. Da bin ich froh, dass wir diesen Text haben und nun etwas darüber nachdenken können, wie er in Verbindung steht mit dem großen Oberthema: Gaben und Begabungen.
Worum geht es in diesem Gleichnis? Womit vergleicht Jesus denn das Himmelreich?
Ist das Himmelreich der Schatz, der da im Acker verborgen ist? Das wäre doch sicher ein bisschen billig. Ich meine, ich würde mich natürlich schon über so einen Schatz freuen, dann könnte man etwas sorgloser durchs Leben gehen, aber was gewinnt man damit denn wirklich?
Doch nur, dass man sich mehr kaufen kann. Irgendwann ist entweder das Geld aufgebraucht, oder man stirbt, bevor man es ausgegeben hat. Und dann streiten sich die Kinder darum...
Und das ist sicher kein Merkmal des Himmelreiches, dass man es ausgeben kann, bis nichts mehr davon da ist.
Es scheint zwar so, als ob der Schatz gemeint ist, aber wenn man genauer hinschaut, dann ist es etwas anderes, womit Jesus das Himmelreich vergleicht:
Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; und in seiner Freude ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte den Acker.
Es ist ein Vorgang, der sich da ereignet.
Da ist einer, der findet diesen Schatz – wer weiß, was das ist? Vielleicht ist es ja gar kein Geld.
Jedenfalls freut er sich dermaßen darüber, dass er alles hergibt, was er besitzt. Er verkauft es, um genug Geld zu haben, damit er diesen Acker kaufen kann, in dem der Schatz verborgen ist. Und dann kauft er ihn.
Jesus vergleicht das Himmelreich mit dem Handeln dieses Mannes, und noch viel mehr mit dem, was dieses Handeln auslöst: Das Himmelreich ist gleich der Freude, die dieser Mensch empfindet. Es ist die Freude, die einen dazu veranlasst, alles andere als unwichtig anzusehen.
Vielleicht kennen Sie das ja auch: Sie haben beim Aufräumen ein Bild gefunden oder ein anderes Erinnerungsstück, das sie längst verloren glaubten. Dieses Erinnerungsstück wird Ihnen so wichtig, dass alles andere an Bedeutung und auch an Wert verliert. Und sie hören mitunter auf mit dem, was Sie gerade getan haben, setzen sich hin und freuen sich an diesem Gegenstand.
Genauso ist es mit dem Kaufmann, der gute Perlen suchte. Auch hier ist nicht so sehr die kostbare Perle das Wesentliche, sondern der Vorgang, das Handeln des Kaufmanns. Wichtig ist hier auch, dass er sich auf die Suche begibt. Das muss der andere ja auch getan haben, der den Schatz im Acker fand.
Das Himmelreich gleicht der Freude, die ein Mensch empfindet, wenn er einen Schatz findet und für den er alles aufgibt. Das Himmelreich gleicht der Freude, die ein Mensch empfindet, wenn er eine köstliche Perle findet, für die er alles hergibt.
Vielleicht ist das Entscheidende tatsächlich die Bereitschaft, alles herzugeben.
Eins lerne ich aus diesem Gleichnis: bei Gott gibt es keinen Grund zur Sorge. Er sorgt für uns, er beschenkt uns mit unermesslichen Gaben. Und wenn wir dies erst einmal so als Geschenk wahrgenommen haben, dann hat die Suche ein Ende, und es ist unendliche Freude, die wir darüber empfinden.
Diese Freude wünsche ich uns allen; die Freude, die das Unwesentliche verblassen lässt und das, was Leben bedeutet, in den Vordergrund stellt.
Gott will uns diese Erfahrung schenken, darauf dürfen wir uns freuen.
Amen

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Liedvorschläge zur Predigt:
Wie schön leuchtet der Morgenstern (EG 70)
Du meine Seele, singe (EG 302)
Er ist dein Schatz, dein Erb und Teil (EG 324, 14)
Such, wer da will, ein ander Ziel (EG 346)
Jesu, meine Freude (EG 396)
Ich will dich lieben, meine Stärke (EG 400)
Meinem Gott gehört die Welt (EG 408)

Predigtvorschläge zu Reihe M - Lk 16, 10-13

Liebe Gemeinde,
„Wer im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu, und wer im Geringsten ungerecht ist, der ist auch im Großen ungerecht.“ Etwas merkwürdig ist dieser Vergleich schon, den Jesus da anstellt. Fast wie der Vergleich zwischen Äpfel und Birnen. Auf der einen Seite geht es um Treue, auf der anderen um Gerechtigkeit. Die Treue, von der Jesus spricht, bezieht sich im Wesentlichen auf die Vertrauenswürdigkeit: Z.B. so: Man soll einen Brief vor der Leerung zum Briefkasten bringen. Wenn der Brief zu spät eingeworfen wird, erreicht er den Empfänger nicht zu seinem Geburtstag, sondern kommt einen Tag später an. Das wäre schade.
Wenn man den Brief dann später einwirft, nachdem die Leerung des Briefkastens bereits erfolgt ist, gilt man in diesem Sinn als untreu. Denn man hat sich das Anliegen des Briefschreibers nicht zu eigen gemacht. Es genügt doch, wenn der Brief im Briefkasten landet.
Es ist einleuchtend, dass man sich dann natürlich fragt, ob man einem Menschen, der sich in einer solch kleinen Sache schon als unzuverlässig, oder auch untreu, erwiesen hat, größere Verantwortung übertragen kann, etwa das Hüten eines Hauses für mehrere Tage, oder den Transport wertvoller, zerbrechlicher Dinge – auch wenn der Wert nur ideeller Natur ist. Lieber übergibt man solche Verantwortung einem Menschen, der sich auch in kleinen Dingen als zuverlässig erwiesen hat, der bewiesen hat, dass er Verständnis hat für die Gefühle und Bedürfnisse des anderen.
Und was hat das nun mit Gerechtigkeit zu tun? Vermutlich gar nichts. Es ist nur so, dass es nicht nur um Verlässlichkeit geht, sondern auch darum, gerecht zu sein. Denn das, was uns anvertraut ist, sind nicht unbedingt Güter eines anderen. Es ist vielmehr der Umgang mit unseren Mitmenschen. Und der drückt sich darin aus, wie gerecht wir sind.
Dabei ist es mit der Gerechtigkeit nicht gerade einfach. Denn was der eine als gerecht empfindet, erfährt der andere als große Ungerechtigkeit. Das ist im Großen wie im Kleinen schwierig. Nicht ohne Grund haben die Gerichte ständig mit Auseinandersetzungen zu tun, bei denen beide Parteien behaupten, im Recht zu sein, und darum Gerechtigkeit erwarten, die für sie spricht.
Immer wird der andere sich als ungerecht behandelt fühlen.
Die Gerechtigkeit, um die es hier geht, ist da etwas anders gelagert. Es geht um die Gerechtigkeit Gottes. Und die ergibt sich nicht aus einer gleichmäßigen Machtverteilung, wie sie durch die Gesetzgebung und Gerichte angestrebt werden sollte, sondern einzig aus der Liebe Gottes.
Man kann es auf einen kleinen Nenner bringen:
Wer in seinem Handeln gegenüber seinen Mitmenschen bedenkt, dass sein Gegenüber von Gott geliebt ist, und dementsprechend handelt, der übt Gerechtigkeit.
Da spielt Geld nur eine untergeordnete Rolle, denn Geld, so sagt Jesus, ist an sich schon ungerecht. Es löst im Menschen immer das Verlangen nach mehr aus – und wer mehr will, nimmt es den anderen weg. Das ist eindeutig ungerecht.
Gerecht sein bedeutet also, den Mitmenschen als von Gott geliebt wahr zu nehmen. Problematisch wird das nur, wenn man seine Mitmenschen gar nicht mal sieht. Das passiert uns wohl immer wieder, da wir zwar Nutznießer eines ausbeuterischen Wirtschaftssystems sind, aber nicht wirklich sehen können, wo und wie die Ausbeutung nun wirklich stattfindet. Wir erwarten vielleicht, dass die Menschen, die hier Verantwortung tragen, auch darauf achten, haben aber dafür keine Gewähr, denn natürlich wäre eine Kontrolle für uns viel zu aufwendig.
Wie können wir dann gerecht sein? Wir sind ja eingebunden in dieses System. Der faire Handel bietet nur begrenzte Möglichkeiten – vieles wird nach wie vor auf Kosten der Ärmsten produziert, etwa elektronische Geräte.
Es ist wichtig, dass wir uns aus gründlich informieren, um selbst gerecht handeln zu können. Denn eins ist wohl sicher: wir können und dürfen das nicht anderen überlassen. Gerechtigkeit fängt in der eigenen Küche an.
Doch Jesus macht weiter merkwürdige Vergleiche. Da ist der Mammon, und ihm stellt Jesus „das wahre Gut“ gegenüber. Was aber ist das wahre Gut?
Sicherlich etwas, das man mit Geld nicht kaufen kann. Doch bleibt es unklar. Nur eins ist gewiss: dieses wahre Gut wird von Gott selbst kommen. Es wird uns gegeben.
Eine Vermutung dürfen wir anstellen: das wahre Gut kann das Evangelium sein, die Botschaft von der Liebe Gottes. Dann würden diese Worte bedeuten, dass wir nur dann gute Verwalter des Evangeliums sein können, wenn wir auch gerecht mit den Dingen umgehen, die uns nicht gehören, die uns nur anvertraut sind.
Aber dann heißt es: Ihr könnt nicht Gott dienen und zugleich dem Mammon.
Mammon, das ist die verächtliche Bezeichnung für das Geld. Und es ist wieder merkwürdig, dass nun offenbar gefordert wird, die Finger vom Geld zu lassen, wenn wir Gott dienen wollen, wo doch gerade vorher gesagt wurde, dass wir erstmal unsere Treue und Gerechtigkeit mit dem Mammon unter Beweis stellen sollen..
Doch kann man mit dem Mammon auch in einer Weise umgehen, die gerecht ist. Dann nämlich, wenn man es hat, als habe man es nicht. D.h. also, was man hat, steht stets anderen zur Verfügung. Ich habe es nur, um andere daran teilhaben zu lassen, und nicht, um es zu horten und zu vermehren nur zu meinem eigenen Vorteil und Nutzen.
Dann kann auch, trotzdem man Geld hat, der Dienst an Gott möglich sein. Aber es ist ein schwerer Weg. Das Abendmahl mag uns helfen, ihn zu gehen. Nicht nur im Blick darauf, dass wir daraus Kraft gewinnen, sondern auch, weil im Abendmahl deutlich wird, dass vor Gott alle Menschen gleich sind, und dass Gott die Person nicht ansieht, sondern allein das Herz.
Amen

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