das Kirchenjahr

9. Sonntag nach Trinitatis

Anvertraute Gaben

Predigtanregung

Der 9. Sonntag nach Trinitatis wird durch das Evangelium von den anvertrauten Zentnern bestimmt. Gott hat uns etwas gegeben, das zu vermehren durch unseren eigenen Einsatz möglich ist. Wir werden daran gemessen werden, wie wir diese "Gaben" fruchtbar einsetzen. Der Sonntag soll uns auch daran erinnern, dass was wir sind und haben, wir unserem himmlischen Vater zu verdanken haben.

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IV - Mt 25, 14-30

Denn es ist wie mit einem Menschen, der außer Landes ging: er rief seine Knechte und vertraute ihnen sein Vermögen an; 15 dem einen gab er fünf Zentner Silber, dem andern zwei, dem dritten einen, jedem nach seiner Tüchtigkeit, und zog fort. 16 Sogleich ging der hin, der fünf Zentner empfangen hatte, und handelte mit ihnen und gewann weitere fünf dazu. 17 Ebenso gewann der, der zwei Zentner empfangen hatte, zwei weitere dazu. 18 Der aber einen empfangen hatte, ging hin, grub ein Loch in die Erde und verbarg das Geld seines Herrn. 19 Nach langer Zeit kam der Herr dieser Knechte und forderte Rechenschaft von ihnen. 20 Da trat herzu, der fünf Zentner empfangen hatte, und legte weitere fünf Zentner dazu und sprach: Herr, du hast mir fünf Zentner anvertraut; siehe da, ich habe damit weitere fünf Zentner gewonnen. 21 Da sprach sein Herr zu ihm: Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude! 22 Da trat auch herzu, der zwei Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, du hast mir zwei Zentner anvertraut; siehe da, ich habe damit zwei weitere gewonnen. 23 Sein Herr sprach zu ihm: Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude! 24 Da trat auch herzu, der einen Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, ich wusste, dass du ein harter Mann bist: du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst ein, wo du nicht ausgestreut hast; 25 und ich fürchtete mich, ging hin und verbarg deinen Zentner in der Erde. Siehe, da hast du das Deine. 26 Sein Herr aber antwortete und sprach zu ihm: Du böser und fauler Knecht! Wußtest du, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und einsammle, wo ich nicht ausgestreut habe? 27 Dann hättest du mein Geld zu den Wechslern bringen sollen, und wenn ich gekommen wäre, hätte ich das Meine wiederbekommen mit Zinsen. 28 Darum nehmt ihm den Zentner ab und gebt ihn dem, der zehn Zentner hat. 29 Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird die Fülle haben; wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden. 30 Und den unnützen Knecht werft in die Finsternis hinaus; da wird sein Heulen und Zähneklappern.

Das Gleichnis von den anvertrauten Zentnern ist meist vertraut, es ist auch sprichwörtlich geworden. Meist wird es auf die Begabungen eines Menschen bezogen. Vielleicht wäre es aber auch angebracht, das Gleichnis ganz materiell zu betrachten und nicht zu vergeistigen.
Die Knechte werden aufgefordert, aus dem Besitz des Herrn, der ihnen anvertraut ist, mehr zu machen. Dabei ist eindeutig: es ist nicht ihr Besitz, es ist auch kein Geschenk, das ihnen da gegeben wird. Sie wissen alle, dass sie das Geld wieder werden zurückgeben müssen. Es ist im Grunde so wie mit "Aktienbrokern", denen eine bestimmte Menge Geld von ihren Klienten zur Verfügung gestellt wird und die daraus möglichst viel machen sollen.
Nun sind die Knechte sicher keine Finanzexperten, aber in der damaligen Zeit brauchte man das auch nicht sein. Es gab nur wenige Wege, um Geld zu vermehren. Einer war der klassische Weg zur "Bank", die hier von sogenannten Wechslern betrieben wird - sie verleihen und verwahren Geld gegen Zinsen. Der andere Weg war der der Spekulation. Waren einkaufen und teurer verkaufen. So konnte man das Geld unter Umständen bedeutend schneller vermehren als durch den Gang zum Wechsler.
Während die ersten beiden Knechte nun den lukrativeren, wenn auch riskanteren, Weg einschlugen, kommt der dritte mit leeren Händen und begründet dies auf merkwürdige Weise. Im Grunde klagt er seinen Herrn an, das Geld auf unrechtmäßige Weise erworben zu haben - auf diese Weise will er es nicht auch noch vermehren. Aber dann wäre doch wenigstens der Gang zur Bank möglich gewesen? Eigentlich doch nicht, denn auch die Wechsler spekulieren mit dem Geld.
Letztlich aber bleibt ein großes Fragezeichen. Was soll diese Begründung des einen Knechts? Offenbar hat er nicht richtig gehandelt, denn sonst würde er nicht in die Finsternis hinausgeworfen werden. Seine Begründung ist also falsch. Es steht aber auch die Frage im Raum, warum den Knechten unterschiedlich viel gegeben wurde? Hätte er nicht allen gleich viel geben müssen? Hat der Herr nicht dadurch schon eine ungerechte Vorbestimmung ausgeführt? DIese Fragen werden vielleicht im weiteren Verlauf noch etwas geklärt werden.
Sicher sollen wir in dem Herrn Gott selbst wiedererkennen. Die Knechte sind wir. Aber was ist das Geld, das den Knechten anvertraut wurde? Vielleicht ist es genau das: Geld, Vermögen, Reichtum. Denn wir wissen, dass die Reichtümer dieser Welt ungleichmäßig verteilt sind. Wir verfügen über sehr viel, andere über sehr wenig. Wenn wir nun noch mehr daraus machen, dann wofür? Für wen? Für uns selber? Genau das wohl nicht. Wir machen daraus mehr für unseren Herrn, dem wir den Besitz wieder zurückgeben müssen. Denn er ist uns nur anvertraut.
Doch was macht unser Herr, wenn wir ihm den Besitz - möglichst vermehrt - zurückgeben? Wenn der Herr im Gleichnis mit Gott gleich zu setzen ist, dann dürfte wohl einleuchten, dass dieser Herr den Besitz nicht für sich haben will. Im Gegenteil, er wird ihn neu verteilen. Das Gleichnis lässt dabei den Eindruck entstehen, dass diese Verteilung die bereits zu Beginn erkennbare Ungerechtigkeit fortsetzt. Aber das, so denke ich, steht erst am Ende einer Zeit, in der wir leben und handeln.
Momentan sind wir schlicht aufgefordert, unseren "Besitz" klug zu verwalten und dabei mehr daraus zu machen. Was alles dieser Besitz ist, muss wohl jeder für sich selbst erkennen. Die Frage ist, wie wir ihn so vermehren, dass unser Herr am Ende sagt: Recht so! In meinen Augen kann das nur dann gelingen, wenn wir den "Besitz" verteilen, d.h. an andere Menschen weitergeben.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang entsteht durch dieses Evangelium. Nur wird mit dem Thema dieser Woche zugleich auch eine gewisse Festlegung wahrgenommen. Obige Ausführungen versuchen einen anderen Weg, nämlich nicht von abstrakten Gaben, sondern tatsächlich von Besitz und Reichtum zu reden. Eins wird im Gleichnis auf jeden Fall deutlich: Der Herr fordert das, was er uns anvertraut hat, wieder von uns zurück. Was haben wir dann vor zu legen? Die Antwort kann sicher nicht lauten: "ich habe mir ein Haus gebaut, ein Auto, dies und jenes." Diese Fragestellung sollte die Predigt auf jeden Fall aufnehmen.

Liedvorschläge zur Predigt:


Es ist gewisslich an der Zeit (EG 149)
Es ist in keinem andern Heil (EG 356)
Die ganze Welt hast du uns überlassen (EG 360)
Lass mich, o Herr, in allen Dingen (EG 414)
Hilf, Herr meines Lebens (EG 419)
Komm in unsre stolze Welt (EG 428)
Gib Frieden, Herr, gib Frieden (EG 430)
Gott gab uns Atem, damit wir leben (EG 432)
Sein sind die Güter (EG 513, 6)

Fürbittengebet

Himmlischer Vater, dich bitten wir: Hilf uns, dass wir nicht ängstlich beieinander sitzen bleiben, sondern weitersagen, was wir von dir empfangen haben, in deiner Gemeinde und in deiner Welt. Zu dir rufen wir:
Herr Erbarme Dich
Gib deiner Kirche den Mut und die Freude, immer wieder zu bekennen, dass du es bist, der Leben schenkt und Liebe stiftet. Zu dir rufen wir:
Herr Erbarme Dich
Stärke die Menschen, die Macht haben in Politik, Wirtschaft und Kultur, dass sie ihre Macht benutzen, um den Schwächsten in der Gesellschaft zu helfen und sie zu fördern. Zu dir rufen wir:
Herr Erbarme Dich
Tröste die Menschen, die trauern, weil sie einen lieben Menschen verloren haben. Bleibe bei denen, die Angst haben, weil Krankheit und Lebensgefahr sie lähmen wollen. Lass sie deine Liebe und Gnade erfahren. Zu dir rufen wir:
Herr Erbarme Dich
Bleibe bei den Menschen, die Angst haben vor der Zukunft, die um ihren Arbeitsplatz fürchten, deren Ehe zerrüttet ist und die nicht weiter wissen. Zu dir rufen wir:
Herr Erbarme Dich
Schenke den Kranken und Leidenden, den Einsamen und den behinderten Menschen, dass sie nicht allein sind, sondern führe Menschen zu ihnen, die ihnen helfen, ihr Leben gut und mit Freude zu gestalten. Zu dir rufen wir:
Herr Erbarme Dich
Schau mit Liebe auf die Menschen in Deiner Schöpfung und halte uns in deiner schützenden Hand. Das bitten wir dich, dem allein Ruhm und Ehre gebührt in Ewigkeit.
Amen



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