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Zu den Perikopen
Predigtvorschläge zu Reihe I - Joh 6, 30-35
Liebe Gemeinde,
Als meine Frau und ich 1987 das erste Mal in Indien landeten, mussten wir natürlich auch
Lebensmittel für uns einkaufen. Den ersten Einkauf besorgte ein Freund für uns, und da
er wusste, wie gerne Europäer Brot essen, brachte er uns auch eines mit. Unsere Enttäuschung
ließen wir natürlich nicht erkennen, als wir das strahlend helle Weißbrot auspackten, aber
wir nahmen uns vor, bei unserem ersten eigenen Einkauf „richtiges” Brot zu besorgen.
Voller Vorfreude steuerten wir dann auch auf die Bäckerei zu, von der wir bereits erfahren
hatten, dass sie so ziemlich alles, was man sich vorstellen kann, anbieten würde.
Doch als wir dort ankamen, sahen wir in der Auslage nichts weiter als Kuchen, auf die
verschiedensten Arten mit Zuckerguss verziert. Meist bestand der Kuchen aus immer dem
gleichen, hellem Teig, und unterschied sich wirklich nur durch die Farbe und das Design
des Zuckergusses. Manchmal war der Teig auch dunkler, aber man erkannte, dass das
nicht etwa durch Kakao oder dunkleres Mehl verursacht war, sondern einzig und allein
durch irgendeinen Farbstoff, den man dem Mehl beigemischt hatte.
Die schon fast zaghafte Frage nach „braunem Brot” wurde dann natürlich auch abschlägig
beantwortet. Die einzige Sorte Brot, die es zu kaufen gab und die auch frisch zubereitet
wurde, war Amerikanisches Sandwich Brot.
Da merkten wir erst, dass der Begriff „Brot” ganz unterschiedliche Bedeutung haben kann.
Für Inder ist das Weißbrot nicht gerade ein Leib- und Magengericht, sie haben viele
andere Speisen, die sie aus den zur Verfügung stehenden Nahrungsmitteln zubereiten
und dann morgens oder abends essen. Reis steht auf ihrem täglichen Speiseplan, und
das, was man vielleicht als Brot bezeichnen kann, ähnelt mehr einem Fladenbrot.
Für uns hatte Brot, also das Brot, das es hier beim Bäcker zu kaufen gibt, immer
wenigstens zum Abendbrot gehört, und dass es dann mindestens zwei verschiedene
Sorten auf dem Tisch gab, verstand sich eigentlich von selbst.
Ich glaube, ich vertue mich nicht, wenn ich behaupte, dass es in Deutschland die
größte Brotvielfalt überhaupt gibt. Vom normalen Graubrot über Weißbrot bis hin
zum herzhaften Vollkornbrot, gibt es in allen möglichen Variationen sicherlich
mehrere tausend verschiedene Brotsorten, die Brötchenarten noch gar nicht mal
mitgezählt.
Diese Vielfalt hat wohl hauptsächlich mit dem Versuch, den Umsatz zu steigern,
zu tun. Ich glaube aber, dass unser Predigttext dabei durchaus auch eine Rolle
spielt.
Denn durch unseren Predigttext erhält Brot eine ganz besondere Bedeutung. Nicht
nur, dass es als tägliche Nahrung immer vor Augen ist, sondern auch und gerade,
dass Gott dabei seine Hand im Spiel hat, gibt dem Brot einen besonderen Stellenwert.
Vielleicht hat es sich darum bis heute als unser Standard-Nahrungsmittel erhalten.
Brot als Lebensspender - das ist ja schon ein erheblicher Anspruch, aber wahr!
Manche Brotsorten sind so nahrhaft, dass man kaum noch etwas dazu essen muss,
um die nötigen Nahrungsstoffeaufzunehmen.
Der Predigttext aber führt uns viel weiter in die Welt des Brotes hinein. Das
Brot wird zum Symbol, zum Zeichen.
Da sind zunächst all die Menschen, die sich für Jesus interessieren. Sie haben
von dem sonderbaren Mann gehört, der Wasser in Wein verwandelt und der Tausende
gespeist hatte. Sie hatten davon gehört, dass er Kranke wieder gesund gemacht
hatte, einen sogar, ohne ihn gesehen oder berührt zu haben. Aber das alles reicht
ihnen nicht. Man weiß ja, wie schnell solche Berichte aufgebauscht werden können,
man neigt ja doch zur Übertreibung, und was kann man dann schon glauben von dem,
was man am Ende hört?
Sie wollen es selbst sehen, sie wollen es erfahren, dass dieser ein besonderer,
von Gott begabter Mensch ist. Darum fordern sie ihn auf, ein Zeichen zu geben,
so wie es Mose gegeben hat.
Doch Jesus ist schon mit der Art, wie sie ihre Forderung begründen, nicht zufrieden.
Mose hat ja nur im Auftrag Gottes gehandelt. Alles, was er tat, hatte er Gott zu
verdanken und kam von Gott. Nichts kam aus ihm selber.
Wie schnell vergisst man, dass sich Mose, als er von Gott berufen wurde, am liebsten
aus diesem Auftrag heraus gemogelt hätte. Er hatte weder Lust noch den Mut dazu
gehabt, das zu tun, wozu Gott ihn auserwählt hatte. Doch Gott hatte durch Mose
gewirkt, und so war Mose zu dem großen Führer geworden, den das Volk nun zum
Vorbild nahm.
Die Menschen, die Jesus bedrängen, wollen etwas ähnliches sehen: sie wollen
Gewissheit, dass er sie ernähren, dass er ihnen eine sichere Zukunft bieten
kann.
Das Manna war nur gut für einen Tag. Tagtäglich waren die Israeliten auf ihrem
Zug durch Ägypten auf die Gnade Gottes angewiesen, konnten es nicht als
selbstverständlich hinnehmen, dass sie am nächsten Tag zu essen haben würden.
Genau dieses Problem nimmt Jesus auf. Im Grunde sagt er nichts anderes als:
das Manna war von der Erde. Es war kein Brot vom Himmel. Denn es verging, es
wurde stinkend und madig, schon am nächsten Tag. Das Brot, das vom Himmel
kommt, ist noch anders.
Wie selbstverständlich redet Jesus dabei von Gott als seinem Vater, und es scheint
die Menschen gar nicht zu stören. „Gib uns solches Brot”, bitten sie. Gib uns Brot,
das Leben erhält, für immer!
Noch immer denken sie daran, dass er Brot austeilen würde, das ihren Hunger für
immer stillen würde.
Erst mit seinem letzten Satz in unserem Predigttext gibt Jesus dem Brot eine ganz
neue Bedeutung: „Ich bin das Brot des Lebens”, sagt er. „Wer zu mir kommt, den
wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.”
Jesus setzt sich mit dem Brot gleich, er hebt das Brot des Lebens damit ab von
dem Brot, das wir im Bäckerladen kaufen können. So lecker es auch schmecken mag,
es ist nicht das Brot, das vom Himmel kommt.
Das Brot des Lebens: es ist dauerhaft, es hält an, es kann nicht zerkaut werden und
irgendwann zu Ende gehen. Das Brot des Lebens reicht immer, egal, wie viele Menschen
davon essen wollen. Und es macht satt - nicht so, dass man träge wird, sondern so,
dass man keinen Hunger mehr verspürt.
Jesus hat seinen Zuhörern damit erstmal wieder ein Rätsel aufgegeben. Sie konnten
es sich nicht so recht vorstellen, was er da sagte. Wie kann er Brot des Lebens,
das vom Himmel kommt, sein? Vielleicht wirkte er auf sie mehr wie einer, dessen
Verstand nicht mehr ganz richtig tickt. Sie konnten ja nicht wissen, was wir wissen:
dass Jesus der Christus ist, der den Tod besiegt und uns die Tür zur Ewigkeit
aufschließt.
Für uns ist klar: Jesus redet in diesem Abschnitt vom geistlichen Hunger. Und er
macht deutlich, dass es letztlich nur darauf ankommt, dass man seiner Seele die
nötige Nahrung gibt, die sie am Leben erhält und ihr Kraft und Ausdauer verleiht.
Dazu braucht man nicht mehr als dieses Brot des Lebens. Wenn man das hat, wird
alles andere zur Nebensache.
Es ist klar: natürlich muss man auch für das leibliche Wohl sorgen. Aber wenn man
einmal versucht, eine längere Zeit auf Nahrung zu verzichten, dann spürt man, wie
man frei wird für das Wesentliche, Wichtige im Leben. Plötzlich hat man Zeit -
man kann zur Ruhe kommen und auf Gott hören, der sich viel lieber in der Stille
hören lässt als in dem Lärm und der Hektik unserer Welt.
Das Brot des Lebens: es stillt den Hunger der Seele. In der Feier des Abendmahls
essen wir Brot, aber es ist geschmacklos, denn es soll nicht dem Gaumen schmecken.
Was wir dort zu uns nehmen, das ist für die Seele bestimmt. Das ist das Brot des
Lebens, das ist Jesus Christus.
Wenn wir so die Nähe Jesu suchen, dann werden die anderen Dinge unbedeutend, die uns
sonst belasten. Die Sorgen des Alltags sind zwar noch da, aber wir können anders,
entspannter mit ihnen umgehen. Wir müssen nicht auf Biegen und Brechen dies oder
jenes erreichen. Unser Leben hängt nicht mehr von Äußerlichkeiten ab, weil wir
erkennen, dass das Wesentliche bereits vollendet ist. Denn: „Wer zu mir kommt,
den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.”,
sagt Jesus.
Stattdessen können wir uns ohne hochstrebende Erwartungen unserer Umwelt zuwenden.
Wir erkennen die Not unserer Mitmenschen und können Ihnen helfen, die Not zu
überwinden. Wir können sie einladen, selbst vom Brot des Lebens zu kosten.
Doch nun zurück nach Indien, für einen kurzen Augenblick: wir hatten also das köstliche
Brot nicht mehr, das wir in Deutschland so selbstverständlich genossen hatten. Wir
haben schnell gemerkt, dass man es nicht zum Leben braucht, und schon gar nicht zum
Überleben.
Viel wichtiger wurde uns die Gemeinschaft mit den anderen Christen, die dort lebten
und mit denen wir unsere Erfahrungen teilen konnten. Die selbstverständliche Art
und Weise, in der dort der Glaube zum Ausdruck gebracht wurde, hat uns durch
schwere Zeiten hindurch getragen. Das himmlische Brot gab es natürlich auch
dort zu essen, denn es ist überall da, wo sich die christliche Gemeinde
versammelt. Und so haben wir immer die Kraft bekommen, die wir für unsere
Arbeit brauchten.
Und so geht es überall, in jeder christlichen Gemeinde.
Nun sind wir hier in Wolfenbüttel angekommen, vor wenigen Tagen umgezogen, aber
noch nicht ganz eingezogen. Es gibt viel zu entdecken, und wir freuen uns darauf.
Am wichtigsten ist aber, dass wir auch hier zu einer Gemeinde Christi gehören,
die das Brot des Lebens untereinander teilt und daraus ihre Kraft gewinnt. Was
ich dazu beitragen kann, das will ich tun. Was daraus wird: das liegt in Gottes
Hand. Dass wir nicht aufhören, darauf zu vertrauen, das wünsche ich uns allen,
und das soll auch unser Gebet sein.
Amen
oder:
Liebe Gemeinde,
Ein Zeichen! Nur ein kleines, aber dafür deutliches Zeichen! Dann wird das alles
wenigstens handfest, greifbar. Wie anders könnte die Welt aussehen, wenn es solch
ein Zeichen gäbe.
Dabei hatte es gerade erst ein solch handfestes, greifbares Zeichen gegeben. Wir
haben davon in der Evangeliumslesung gehört: fünf tausend Menschen waren von fünf
Broten und zwei Fischen satt geworden.
Aber genau dieses Zeichen hatte die Menschen erst einmal nur verunsichert. Denn
sehr wahrscheinlich hatten nicht alle mitbekommen, woher nun das Brot und die
Fische gekommen waren. Sie hörten nur, dass Jesus ein Wunder vollbracht hätte.
Und das reicht eben nicht, so ein Hörensagen.
Sie wollten mehr. Ein Zeichen. Noch ein Zeichen. Ein Zeichen, das alle sehen können.
Das glaubhaft macht, was er ihnen gesagt hatte.
Am nächsten Tag hatten sie ihn erst suchen müssen. Er war nicht mehr an dem Ort,
wo er am Tag zuvor gepredigt und die 5000 gespeist hatte. Als sie ihn schließlich
an der anderen Seite des Sees fanden, fragten sie ihn, wie er dorthin gekommen
sei. Aber Jesus antwortete nicht auf diese Frage, sondern auf eine andere, die
niemand gestellt hat: warum suchten sie Jesus?
Denn das ist eigentlich die Frage, um die es geht. Wenn Jesus nicht in irgendeiner
Weise außergewöhnlich gewesen wäre, hätten sie ihn auch nicht gesucht. Wanderprediger
hat es damals viele gegeben. Was hob Jesus von ihnen ab? Was machte ihn besonders?
Warum also suchten sie ihn?
Jesus gibt auf diese Frage Antwort, obwohl diese Antwort ja eigentlich die Menschen
selbst geben müssten: sie sind satt geworden. Jesus hatte ihnen für einen Tag
lang die Sorgen genommen. Darum sind sie nun hier und bedrängen ihn aufs Neue.
Jesus ist mit dieser Antwort aber nicht zufrieden. Der Beweggrund, warum die Menschen
ihn suchen und zu ihm kommen, ist zu oberflächlich. Den ganzen Tag lang hatte er
gepredigt und ihnen den Willen Gottes dargelegt. Und sie kamen nur wegen dieses
Zeichens.
Warum wollten sie es nicht verstehen? „Schafft euch Speise, die nicht vergänglich
ist, sondern die bleibt zum ewigen Leben. Die wird euch der Menschensohn geben;
denn auf dem ist das Siegel Gottes des Vaters.“ (Joh 6, 27) Mit diesen Worten
forderte er sie auf, noch einmal nachzudenken über das, was hier vor sich ging.
Die Menschen, die ihn gefunden hatten, dürften ziemlich verdutzt gewesen sein.
Was ist das für eine merkwürdige Antwort. Was ist das für eine merkwürdige Rede!
Speise, die nicht vergänglich ist – so etwas gibt es doch nicht. Höchstens das
Manna – aber das hielt ja nur einen einzigen Tag. Die Unvergänglichkeit des Manna
ergibt sich daraus, dass es eine Gabe Gottes ist. Gott gibt – immer genug, damit
alle satt werden können. Aber auch nicht mehr.
Das Manna war Brot vom Himmel – aber seit sie sesshaft geworden waren, gab es
diese himmlische Speise nicht mehr. Wie also kam Jesus dazu, auf dieses Manna
hinzuweisen?
Jesus beeindruckte die Menschen. Seine manchmal rätselhaften Worte erschlossen
sich ihnen nur langsam, und manchmal verschlossen sich ihnen die Menschen. So
auch jetzt.
Denn Jesus wagte einen Gedankensprung. In gewisser Weise stellte er an sie eine
neue Frage: erkennt ihr mich denn nicht? Seht ihr nicht, wer ich bin? Und dann
redete er plötzlich ganz offen von seinem Vater im Himmel.
Das wollten sie nicht hören. Das ging etwas zu weit. Ein Prophet, ja, aber
Sohn Gottes – das geht nicht.
Der Menschensohn – damit konnten sie damals schon etwas anfangen. Das ist der
Mensch, der Gottes Heil sichtbar und erfahrbar macht. Der die Welt wieder
nach Gottes Plan ausrichtet und richtet. Aber er ist nicht Gottessohn, sondern,
eben, Menschensohn.
„Was tust du für ein Zeichen, damit wir sehen und dir glauben?“ so fragten sie
ihn. Sie wollten es wissen: ist er der Menschensohn? Denn auf mehr wollten und
konnten sie sich nicht einlassen.
Aber Jesus bejahte nicht nur diese Frage, sondern er wollte ihnen den Schleier
von den Augen reißen. Ich bin der Sohn Gottes! Seht es doch endlich! Ich gebe
euch das himmlische Brot, das der Welt das Leben gibt.
Dieses Brot: wer will es eigentlich nicht haben? Vielleicht diejenigen, die
Tag für Tag satt werden und den Vorratskeller voll haben. Vielleicht diejenigen,
die, sobald sie Hunger verspüren, hingehen und sich etwas zu essen holen können.
Menschen, die den Hunger im Grunde gar nicht mehr kennen. Die können mit dem
Brot des Lebens wohl auch nicht so viel anfangen.
Aber damals kannte man Hunger. Nahezu jeder Mensch hatte schon einmal erfahren,
was es bedeutete, zu hungern. Und in vielen Teilen der Erde kennt man Hunger
auch heute.
Die schrecklichen Bilder aus Ostafrika zeigen uns erneut, in was für einer
grausamen Welt wir leben: wenige Flugstunden von uns entfernt verhungern täglich
tausende Menschen, obwohl wir Essen im Überfluss haben. Ein Drittel der
produzierten Lebensmittel wird in Europa wieder weggeworfen. Es würde genügen,
um alle verhungernden Menschen satt zu machen.
Obwohl diese Hungerkatastrophe doch eigentlich recht nah ist, scheinen uns die
verhungernden Menschen unendlich weit entfernt.
Brot des Lebens. Lebensbrot. Brot, das für immer sättigt. Brot, das nicht vergeht.
Die Menschen wollten es natürlich haben, denn sie kannten den Hunger. Und da
sagt Jesus diese Worte: „Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den
wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.“ (Joh 6, 35)
„Was tust du für ein Zeichen?“ War die anfängliche Frage unseres Predigttextes.
Diese Frage geht ins Leere. Denn das Zeichen ist längst schon geschehen. Es ist
da, sichtbar vor uns auf dem Tisch des Herrn. Das Brot des Lebens.
Menschen haben es weiter gegeben, von Generation zu Generation. Und wir haben
es vor Augen, jedes Mal, wenn wir in der Gemeinschaft des Mahles am Tisch des
Herrn zusammen kommen.
Brot des Lebens! Brot, das nicht vergeht, das allen Hunger stillt.
Aber wir wissen auch: von so einer Oblate wird man nicht satt. Jesus sprach vom
Hunger der Seele, und die Reaktion der Menschen damals zeigte nur, dass sie ihn
noch immer nicht verstanden hatten. Es geht um mehr als darum, sich den Bauch zu
füllen. Es geht um das Leben schlechthin. Es geht darum, dass dieses Leben einen
Sinn bekommt, der über das Geborenwerden und Sterben hinausgeht.
Gott nimmt uns an als seine Kinder. Im Wochenspruch haben wir es gehört: Wir sind
nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes
Hausgenossen! Wir sitzen mit am Tisch Gottes!
Und wer hier seinen Platz gefunden hat, sieht die Not der Welt auch mit anderen
Augen. Denn Menschen, die sich am Tisch des Herrn versammeln, können teilen. Sie
sind bereit, zu helfen, wo es nötig ist. Sie horten nicht, sie sammeln nicht in
Scheunen, sondern sie geben von dem, was sie im Überfluss haben, ja eigentlich
noch mehr: sie teilen alles, was sie haben.
Indem wir bereit sind, unseren Mitmenschen zu helfen, machen wir deutlich, dass
wir das Brot des Lebens bereits haben.
Wir sind Kinder Gottes, die sich auf seine Fürsorge und Hilfe immer verlassen
können. Möge uns dies jeden Tag aufs Neue bewusst sein.
Amen
Liedvorschläge zur Predigt:
Herr Jesu Christ, du höchstes Gut (EG 219)
Im Frieden dein, o Herre mein (EG 222)
Wir danken dir, Herr Jesu Christ (EG 462)
Das Weizenkorn muss sterben (KHW-/HN-EG 579)
Jesus Brot, Jesus Wein (KHW-/HN-EG 581)
Er ruft die vielen her (KHW-/HN-EG 583)
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Predigtvorschläge zu Reihe III - 1. Kön 17, 1-16
Liebe Gemeinde,
Der Prophet Elias ist uns vertraut. Wenn wir an ihn denken, dann haben
wir einen wortgewaltigen, beeindruckenden Mann vor Augen, der sich durch
nichts erschüttern lässt. Gott ist mit ihm. Und damit klar ist, welcher
Gott gemeint ist in einer Welt, in der jedes Volk andere Götter verehrt,
wird dies in seinem Namen zum Ausdruck gebracht: mein Gott ist Jahwe, der
Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der lebendige Gott, der Himmel und
Erde geschaffen hat.
Er tritt den Kampf an gegen den Baal, dem fast das ganze Volk Israel
nachläuft, vor allem aber die regierende Oberschicht. Das ist natürlich
eine besondere Herausforderung, denn dadurch hat er alle gegen sich, niemand
ist da, der sich auf seine Seite stellt.
Alles beginnt mit der Ankündigung der Dürre, die als Strafe Gottes zu
verstehen ist für die Abgötterei, die das Volk Israel treibt. Wie schön
ist es für die Mächtigen des Landes, wenn sie einen Sündenbock haben, auf
den sie alle Schuld abwälzen können. So war es schon damals, und so ist es
auch heute – im Großen wie im Kleinen. Gut, wenn man die Schuld auf andere
schieben kann.
Elia hat's gesagt, also ist er Schuld an unserem Elend! So verlautet
es von offizieller Seite. Und so hört es auch das Volk.
Und es mag ja wirklich so erscheinen, wenn man sich die Ankündigung der
Dürre genau betrachtet: „So wahr der Herr, der Gott Israels, lebt, vor
dem ich stehe: es soll diese Jahre weder Tau noch Regen kommen, ich sage
es denn.“
Offenbar hängt alles von Elia ab. Wenn er sagt, dass es wieder regnen soll,
so wird es regnen, und just mit diesem Wort hat er gesagt, dass es nicht
mehr regnen wird.
Vielleicht war das ungeschickt von ihm, aber andererseits zeichnet ja gerade
dieses Selbstbewusstsein den Propheten aus. Es ist ein Selbstbewusstsein,
das ganz von Gott her seine Stärke und Kraft bezieht. Elia weiß, dass er
ein Prophet Gottes ist, von Gott gesandt, und so kann er auch sagen, dass
auf sein Wort hin Gott sowohl die Dürre als auch den Regen kommen lässt.
Denn er kann sich darauf verlassen, dass Gott ihm zur rechten Zeit sagen
wird, was er tun soll.
Aber, eben, es ist doch ungeschickt, denn nun hat er alle gegen sich – mit
Ausnahme von Gott. Der wendet sich ihm zu und weist ihn zu einem Bach, an
dem er genug zu trinken und zu essen haben wird – auch in der Dürre. Zugleich
ist es ein Zufluchtsort vor den Verfolgern, denn wo sollte er noch wohnen
können? Sobald er gesehen wurde, hoben die Menschen Steine auf, um ihn zu
steinigen.
So geht Elia dorthin, an einen Ort in der Wüste, wo trotz allem ein Bach
fließt. Der Prophet ist ganz allein, abgeschieden von allen Menschen. Wie
oft mag er sich in dieser Einsamkeit gefragt haben, ob seine Worte irgendeine
Veränderung in den Menschen hervorgerufen haben? Und wie oft mag er in den
Geräuschen, die die Wüste von sich gibt, seine Verfolger gehört haben?
Doch er ist sicher, niemand verfolgt ihn. Aber es ändert sich auch nichts
im Volk Israel. Schließlich ist er ja der Sündenbock, auf den man alles
schieben kann. Die Menschen in Israel brauchen sich nicht zu ändern.
Doch dann versiegt der Bach. Wenn Gott eine Dürre kommen lässt, dann kann
es keine Ausnahme geben, auch nicht für den großen Propheten. Aber wieder
hilft Gott. Er lässt die, die seine Gebote halten, nicht allein.
„Geh nach Zarpat“, heißt es, und er geht. Eine Witwe soll ihn versorgen.
Eine Witwe mit einem Kind, die genauso unter der Hungersnot leidet wie alle
anderen auch. Es gibt keine Ausnahme.
Und im Grunde leidet sie ja mehr als die anderen, denn Witwen hatten es damals
nicht leicht. Sie hatten oft keine Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt zu
verdienen, weswegen viele von ihnen betteln mussten und von den Almosen
anderer abhängig waren.
Elia begegnet dieser Witwe, die Gott auserwählt hatte, und bittet um Wasser.
Wasser! Das kostbarste Gut in dieser Zeit. Das wenige, das sie von irgendwoher
gesammelt hatte, sollte sie nun noch mit einem Fremden teilen.
Doch nicht genug damit: dieser Fremde, der Prophet Elia, ruft hinter ihr her:
Gib mir auch zu essen!
Als ob es davon die Fülle gäbe! Nun, die Gastfreundschaft gebietet es, das
Erbetene auch zu geben, und doch: sie hat einen Sohn, ein Kind noch, und nicht
genug, weder zu trinken noch zu essen, für ihn und sich selbst. Und das wenige
noch teilen? Vom Mangel noch abgeben?
Mutig schildert sie ihre Lage, wohl in der Hoffnung, dass Elia seine Bitte um
Wasser und Brot zurücknehmen würde, und setzt dann doch schon einen Schlussstrich
für sich selbst und ihren Sohn: „... wir essen – und sterben.“
Es war das letzte Mal, dass sie Nahrung und Wasser gesucht hatte, es war kaum
mehr was zu finden gewesen. Ein weiteres Mal würde vergeblich sein.
Doch da erklingen die Worte des Propheten wieder: Fürchte dich nicht! Habe keine
Angst, Gott ist da, er wird dich, deinen Sohn und auch mich versorgen. Denn das
ist sein Wille. Es wird immer genug da sein. Mach nur zuerst mir etwas. ----
Was, wenn sie gezweifelt hätte? Was, wenn sie gesagt hätte: nein, ich will
erst, dass mein Kind satt wird, und dann sollst Du etwas zu essen bekommen?
Was veranlasst sie, so zu handeln, wie sie es tat? War es das Gebot der
Gastfreundschaft? War es eine Ahnung, dass dieser ein Prophet, ein Mann
Gottes, des Allerhöchsten, war? Vertraute sie etwa dem Gott dieses Mannes
mehr als dem Gott, der von ihrem Volk verehrt wurde? Oder hatte sie schlicht
ihren Glauben an eine Rettung aufgegeben, und darum nicht mehr das Bedürfnis,
das Ende wenigstens um einen Tag weiter hinaus zu zögern?
Sie tat, wie Elias ihr gesagt hatte, und fand das Wort des Propheten bestätigt:
Tag um Tag hatten sie genug zu essen, nichts fehlte ihnen.
Gott sorgt, er kümmert sich um die, die ihm dienen. Es ist eine wunderbare
Erfahrung, die heute viel zu wenige Menschen machen.
Es fällt uns schwer, in einer Welt, die nach allen Seiten hin materiell abgesichert
ist, diese unmittelbare Abhängigkeit von Gott noch nach zu empfinden. Es ist ja
alles da.
Uns fehlt die Erfahrung des Mangels. Nur ältere Menschen erinnern sich noch daran,
an die Kriegs- und die Nachkriegsjahre. Brauchen wir wieder solch eine Not, um uns
zu erinnern, welch große Wunder Gott tun kann?
Eine andere Möglichkeit wäre, den Blick zu schärfen für die Menschen, die in solch
einer Not leben. Denn es gibt sehr viele Menschen, die wissen, was Mangel ist, die
es Tag für Tag an ihrem eigenen Leib erleben.
Täglich verhungern tausende von Menschen, während wir vom Überfluss leben. Gott will
das nicht. Er will, dass alle Menschen leben – und dazu können auch wir einen guten
Teil beitragen.
So öffne er unsere Augen – damit wir die Not der Menschen in der Welt sehen – und
gebe uns ein offenes Herz, damit wir mithelfen, Gottes Güte sichbar werden zu lassen
in dieser unserer Welt.
Amen
Liedvorschläge zur Predigt:
Jesus lebt, mit ihm auch ich (EG 115)
Der Herr ist mein getreuer Hirt (EG 274)
Singet dem Herrn ein neues Lied (EG 287)
Auf meinen lieben Gott (EG 345)
Befiehl du deine Wege (EG 361)
Wer nur den lieben Gott lässt walten (EG 369)
Was Gott tut, das ist wohlgetan (EG 372)
Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen (EG 518)
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Predigtvorschläge zu Reihe V - Apg 2, 41-47
Liebe Gemeinde!
Solche Texte aus der Apostelgeschichte, wie wir einen vorhin als Epistellesung gehört
haben, kann man auf verschiedene Weise betrachten.
Manche werden sagen: das sind ja alles tolle Geschichten, aber sie sind sicher übertrieben.
Man hat da Idealvorstellungen hinein gepackt. Man hat die Anfänge so beschrieben, wie man
sie gerne hätte, aber nicht so, wie sie tatsächlich waren.
Andere werden mit Wehmut darauf schauen und sagen: Ach, wenn doch wir heute auch solche
Gemeinde sein könnten, wie sie damals gewesen ist. Eine Gemeinde, in der die Menschen
füreinander da sind und ihren Glauben frei und offen bekennen.
Wenn man diese beiden Positionen betrachtet, merkt man schon, dass es überhaupt schwierig
ist, mit diesen Erzählungen aus den Anfängen der Christenheit umzugehen. Denn sie berichten
aus einer Zeit, die fast 2000 Jahre zurück liegt. Reiht man Menschenleben aneinander und
setzt voraus, dass jedes Menschenleben 70 Jahre dauert, dann wären es immerhin schon fast
29 Menschenleben – und keiner wüsste vom anderen. Zählt man Generationen, die einander auch
berichten können und weitergeben, was ihnen gesagt wurde, dann käme man schon auf rd. 67.
Das hört sich gar nicht so viel an, aber es ist schon eine lange Zeit, und es sind viele
Köpfe, durch die das, was der 67. dann weiter gibt, zuvor gegangen ist.
Von Augenzeugenberichten kann man da also nicht mehr reden.
Nun wurde die Apostelgeschichte natürlich viel früher aufgeschrieben, aber auch da liegt in
etwa eine Generation dazwischen, und sicher hatte Lukas beim Schreiben nicht alles ganz
getreu wiedergeben können.
Von uns kann jedenfalls niemand genau sagen, was von dem, was Lukas aufgeschrieben hat,
tatsächlich der Realität entspricht und ob er vielleicht sogar etwas dazu erfunden hat.
Man kann auch fragen, warum dieses aufgeschrieben wurde und jenes nicht – denn ich bin
sicher, dass vieles von dem, was sich damals ereignete, keinen Widerhall gefunden hat
in den Schriften der Bibel. Es wäre sicher spannend, auch davon zu erfahren.
Aber es ist müßig und wenig hilfreich, darüber nachzudenken.
Wenn wir die Bibel lesen, dann sollten wir uns ohnehin nicht von solchen Fragen beeinflussen
oder gar leiten lassen. Denn die Bibel ist ein Zeugnis des Glaubens. Und darum eröffnen
sich uns die Worte der Bibel erst, wenn wir Gott darum bitten, dass er uns durch seinen
Geist leitet. Denn der Geist ist es, der Glauben schenkt. Er ist es, der uns hilft, den
Glauben bzw. die Zeugnisse des Glaubens zu verstehen.
So war es auch damals: es war ja das Pfingstfest. Gerade erst hatten die Jünger den Geist
Gottes empfangen, der ihnen gewissermaßen die Augen auftat und den Glauben schenkte, der
die Welt veränderte. Da berichtet uns Lukas das Folgende:
Die nun die Worte des Petrus annahmen, ließen sich taufen; und an diesem Tage wurden
hinzugefügt etwa dreitausend Menschen.
Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im
Brotbrechen und im Gebet. Es kam aber Furcht über alle Seelen, und es geschahen auch
viele Wunder und Zeichen durch die Apostel. Alle aber, die gläubig geworden waren,
waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam. Sie verkauften Güter und Habe und
teilten sie aus unter alle, je nach dem es einer nötig hatte. Und sie waren täglich
einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern,
hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen und lobten Gott und fanden
Wohlwollen beim ganzen Volk. Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die
gerettet wurden. (Apg 2, 41-47)
Es begann alles recht einfach – ohne Landeskirchenamt, ohne Kirchensteuer, ohne
Eintragung der Religionszugehörigkeit im Melderegister. Es gab auch nicht mehrere
Konfessionen, sondern eigentlich verstanden sich die Christen nach wie vor als Juden,
was wir auch daran erkennen, dass gesagt wird: „Sie waren täglich einmütig beieinander
im Tempel.“ Gemeint ist natürlich der Tempel in Jerusalem.
Sie nahmen am Gottesdienst des jüdischen Volkes teil, und es gab nur eines, was sie
von den übrigen Juden unterschied: sie glaubten, dass Jesus der Christus ist, der
Messias. Genau dieser Glaube ist es, der durch den Heiligen Geist gewirkt wird und
nicht durch den Verstand, weswegen es dann auch später durchaus zu Anfeindungen und
Trennungen kam – denn nicht alle öffneten sich für das Wirken des Geistes Gottes.
Aber es wird deutlich gesagt: sie fanden Wohlwollen beim ganzen Volk. (Apg 2, 47a) Sie
waren beliebt, weil sie niemanden anfeindeten, weil sie sich nicht absonderten,
sondern offen waren für die Anliegen eines jeden Menschen und sich allen in Liebe
zuwendeten.
Es ist schon beeindruckend: Am ersten Tag wurden 3000 Menschen zur Gemeinde hinzugefügt.
Was bedeutet das? Es ging kein Taufunterricht voraus, sondern es genügte das schlichte
Bekenntnis: ich glaube an Jesus als den Messias. Ich will getauft werden.
Kann es wirklich so einfach sein? Ich glaube schon. Das Entscheidende ist: nicht
Menschen kontrollieren, wer zur christlichen Gemeinde gehört, sondern Gott selbst. Er ist
Richter, er allein, er prüft die Herzen. Darauf verließ man sich damals.
Ob der Glaube Bestand hatte, zeigte sich in der Art und Weise, wie man sich zur Gemeinde
verhielt. Denn zum christlichen Glauben gehört auch die Gemeinde. Das wird deutlich in
den Worten: „Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft
und im Brotbrechen und im Gebet.“ Dieser eine Satz fasst zusammen, wie sich Christsein
äußerlich sichtbar zeigt.
Er bedeutet mit anderen Worten:
Sie hörten die Predigt, sie ließen sich von Jesus erzählen und von den Propheten, die
auf das Wirken Jesu hindeuteten.
Sie achteten aufeinander, halfen einander, hörten aufeinander, suchten gemeinsam Wege
für die Zukunft. Niemand handelte allein, nur für sich. Weil man sich als Gemeinschaft
verstand, die füreinander da war, hatten auch alle Entscheidungen Konsequenzen für die
Gemeinschaft und wurden darum auch gemeinsam gefällt.
Sie feierten gemeinsam das Heilige Abendmahl, regelmäßig, ja, sogar jeden Tag, immer
in den Abendstunden, wobei sie da auch an die Armen dachten und für sie zusätzliches
Essen mitbrachten.
Sie kamen regelmäßig zum Gebet zusammen. Die Gebetsgemeinschaft ist eine Form, die wir
in den Gottesdiensten ansatzweise noch üben, aber damals war die ganze Gemeinde zum Gebet
aufgerufen – nicht mit vorformulierten Gebeten, sondern frei, und wem ein Gebetsanliegen
einfiel, der trug es als Gebet vor.
Man kann auch sagen: sie feierten Gottesdienst, Tag für Tag, denn all das sind Elemente
des Gottesdienstes, die wir da wiederfinden.
Wir sind also gar nicht so weit entfernt von den Christen der ersten Stunde, und doch gibt
es einen gravierenden Unterschied: Wir erleben die Gemeinschaft nicht auf die Weise, wie
es die Christen damals erlebten.
Das hat sicher auch damit zu tun, dass es damals immer auch eine Diaspora-Situation war.
D.h., die Christen waren in der Minderheit. Die Gemeinschaft untereinander gab einem ein
Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit, die in solch einer Situation durchaus nötig und
hilfreich ist. Meine Frau und ich haben das ganz deutlich in Indien erfahren, wo wir als
Christen plötzlich auch zur Minderheit gehörten.
Da war die christliche Gemeinde ein Halt, eine Stütze. Man wusste voneinander. Man sprach
nicht von „Kerngemeinde“ und dann all den anderen, die höchstens an Heiligabend mal in
die Kirche kommen und ansonsten nirgends im Gemeindeleben vorkommen.
Miteinander Gottesdienst zu feiern, dazu noch heute mit einer Taufe, lässt uns spüren,
was es bedeutet, Gemeinde Jesu Christi zu sein.
Was wir hier erleben, prägt dann auch unseren Alltag. Die Liebe Gottes wird spürbar, wenn
wir miteinander singen und füreinander beten.
Und das können wir durchaus auch in unseren Häusern, in den Familien, mit den Nachbarn
und Freunden. Denn das ist es, was gemeint ist, wenn es heißt: „hier und dort in den
Häusern“ (Apg 2, 46).
Es ist schon so: Christsein wird in der Gemeinschaft am besten erfahrbar. Denn die christliche
Gemeinde ist geprägt von der Bereitschaft, einander zu vergeben, so wie Gott uns durch
Jesus Christus vergeben hat. Und das geht nur in Gemeinschaft und nicht, wenn man sich
zurückzieht und den Glauben zur Privatsache erklärt.
So ist es gut, wenn wir uns auch darum bemühen, ein offenes Herz für unsere Mitmenschen
zu haben, unsere Nachbarn links und rechts und über und unter uns, die Menschen, denen
wir auf unseren Wegen begegnen, auch denen, die uns fremd sind.
Ich denke da auch an die Flüchtlinge, die schon fast zum Stadtbild gehören. Lassen wir
nicht zu, dass das Verhältnis zu ihnen durch Vorurteile getrübt wird, sondern gehen wir
auf sie zu und zeigen ihnen, dass sie willkommen sind, dass sie hier ein Zuhause finden
können.
Als Christen sind wir zur Gastfreundschaft gerufen. Es ist einer der wesentliche Grundzüge
christlicher Existenz.
Denn wir sind Kinder Gottes, Mitbürger der Heiligen und seine Hausgenossen. (Eph 2, 19) Wir
genießen die Gastfreundschaft Gottes. Und das gibt uns die Freiheit, allen Menschen in Liebe
zu begegnen, so wie Gott uns durch Jesus Christus in Liebe entgegen gekommen ist.
Amen
Liedvorschläge zur Predigt:
Nun bitten wir den Heiligen Geist (EG 124)
Jauchz, Erd, und Himmel, juble hell (EG 127)
O Heiliger Geist, o heiliger Gott (EG 131)
Das sollt ihr, Jesu Jünger, nie vergessen (EG 221)
Dank sei dir, Vater (EG 227)
Herz und Herz vereint zusammen (EG 251)
Ach, bleib mit deiner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ (EG 347)
Lass mich, o Herr, in allen Dingen (EG 414)
Wenn das Brot, das wir teilen (KHW/HN-EG 632)
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