das Kirchenjahr

7. Sonntag nach Trinitatis

Am Tisch des Herrn

Predigtanregung

Der 7. Sonntag nach Trinitatis geht nun auch auf die körperlichen Bedürfnisse des Menschen ein, wobei die Symbolhandlung des Abendmahls allerdings auch eine wichtige Rolle spielt. Jesu Handeln in unserem Leben macht uns frei von irdischen Bedürfnissen dadurch, dass wir sie immer erfüllt bekommen, indem wir teilhaben am Brot des Lebens. Der 6. und der 7. Sonntag nach Trinitatis könnten auch als "Sakramentssonntage" bezeichnet werden, denn an ihnen wird der Taufe und des Abendmahls in ihrer Bedeutung für das Leben des Christen gedacht.

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IV - Joh 6, 1-15

Danach fuhr Jesus weg über das Galiläische Meer, das auch See von Tiberias heißt. 2 Und es zog ihm viel Volk nach, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. 3 Jesus aber ging auf einen Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern. 4 Es war aber kurz vor dem Passa, dem Fest der Juden. 5 Da hob Jesus seine Augen auf und sieht, dass viel Volk zu ihm kommt, und spricht zu Philippus: Wo kaufen wir Brot, damit diese zu essen haben? 6 Das sagte er aber, um ihn zu prüfen; denn er wusste wohl, was er tun wollte. 7 Philippus antwortete ihm: Für zweihundert Silbergroschen Brot ist nicht genug für sie, dass jeder ein wenig bekomme. 8 Spricht zu ihm einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus: 9 Es ist ein Kind hier, das hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; aber was ist das für so viele? 10 Jesus aber sprach: Lasst die Leute sich lagern. Es war aber viel Gras an dem Ort. Da lagerten sich etwa fünftausend Männer. 11 Jesus aber nahm die Brote, dankte und gab sie denen, die sich gelagert hatten; desgleichen auch von den Fischen, soviel sie wollten. 12 Als sie aber satt waren, sprach er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrigen Brocken, damit nichts umkommt. 13 Da sammelten sie und füllten von den fünf Gerstenbroten zwölf Körbe mit Brocken, die denen übrigblieben, die gespeist worden waren.
14 Als nun die Menschen das Zeichen sahen, das Jesus tat, sprachen sie: Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll. 15 Als Jesus nun merkte, dass sie kommen würden und ihn ergreifen, um ihn zum König zu machen, entwich er wieder auf den Berg, er selbst allein.

Die Liebe zum Detail kann bei den Erzählungen des Johannes schon begeistern. Hier ist es das Gras, auf dem sich die Menge lagert. Nur merkwürdig, dass es nur Männer sind - sicher waren auch Frauen dabei, die gar nicht mitgezählt wurden. Es ist aber auch denkbar, dass die meisten Frauen wenigstens der Hausarbeit nachgingen und darum nicht dabei waren (dann müsste man wohl von pflichtvergessenen Männern reden).
Jesus provoziert seine Jünger. Nicht nur, dass nicht genug Geld da ist, um Brot zu kaufen, sondern es wäre ein weiter Weg, und wer wollte die Mengen Brot dann tragen? Eine rhetorische Frage also, auf die die Jünger auch anders hätten antworten können. Dem Leser müsste schon klar sein, dass die Frage so nicht beantwortet werden kann - die Erklärung des Johannes, dass Jesus die Jünger nur prüfen wolle, ist überflüssig.
Was Jesus dann tut, mündet in eine ausgesprochen praktische Lösung des Problems. Man braucht nicht viel, um alle satt zu kriegen - es bedarf nur des Dankes gegen Gott, und schon hat jede(r) genug. Der Überfluss ist enorm. Schwach ist die Begründung, warum alles eingesammelt wird: diese Mengen könnten die Jünger niemals verzehren, bevor sie verdorben sind. Vielleicht aber wird hier darauf angespielt, dass das Übriggebliebene anderen zugute kommen soll.
Natürlich spielt hier viel Symbolik hinein. Die Zahl Zwölf symbolisiert die Vollkommenheit des Gottesvolkes. Brot und Fisch sind Elemente, die an die Gemeinschaft des Abendmahls erinnern - auch wenn dort nicht von Fisch die Rede ist, so hat der Fisch doch selbst die symbolische Bedeutung der Gemeinschaft mit dem Herrn. Insofern könnte hier eine Anspielung auf das in der Gemeinde gepflegte Abendmahl zu finden sein, das bei Johannes ja keine direkte Erwähnung findet. Aber dass das nicht alles sein kann, wird schon aus der Menge, die übrig bleibt, deutlich. Beim Abendmahl würde nichts überbleiben.
So stellt dieses Speisungswunder ein Symbol der überfließenden Gnade Gottes dar. Das, was überbleibt, kann weitergegeben werden - es scheint fast, als ob hier eine Beauftragung der Jünger geschieht, obwohl diese nicht explizit ausgesprochen wird. Der Ursprung dieser Beauftragung könnte dann im Abendmahl gesehen werden, wo die Jünger selbst die Gnade Gottes empfangen.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang legt die Assoziation zum Abendmahl nahe. Diese Assoziation wird noch dadurch gestärkt, dass es Johannes offenbar nicht um das Wunder als solches geht. Hier wird nicht Jesu Macht und Herrlichkeit in den Vordergrund gerückt - er selbst entzieht sich dann ja auch dem Wunsch der Menge, König zu werden - sondern sein Handeln an den Menschen, das Ausgießen der Gnade Gottes über die Menschen.Von dort kommend, und die Gnade Gottes im Überfluss empfangend, kann die Gemeinde diese dann weitergeben an andere Menschen, die nicht an der Gemeinschaft des Mahles teilnehmen.
Die Predigt könnte mit dem Abendmahl selbst verwoben werden. Teile der Abendmahlsliturgie in die Predigt einzubeziehen, dabei auf das Gnadenwirken Gottes hinzuweisen, und die Elemente der Gnade sichtbar zu machen, wäre sicher ein guter Weg, die Predigt im Sinne des Predigttextes zu gestalten. Denkbar wäre, das Abendmahl selbst zur Predigt werden zu lassen.

Liedvorschläge zur Predigt:


Kommt her, ihr seid geladen (EG 213)
Im Frieden dein, o Herre mein (EG 222)
Seht, das Brot, das wir hier teilen (EG 226)
Lobet den Herren, denn er ist (EG 304)
Nun lasst uns Gott dem Herren (EG 320)
Wir danken Gott für seine Gaben (EG 458)
Lobet den Herrn und dankt ihm seine Gaben (EG 460)
Ich möchte Glauben haben (NB-EG 596)



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