das Kirchenjahr

8. Sonntag nach Trinitatis

Früchte des Geistes

Predigtanregung

Der 8. Sonntag nach Trinitatis fragt nach der Antwort des Menschen auf das Handeln Gottes in seinem Leben. Diese Antwort erfordert nicht viel; es ist eigentlich ein schlichtes &bdquot;Nichtverbergen&rdquot; dessen, was man bekommen hat. Schwerpunkt der Texte ist aber auch das Licht, das von denen, die dem Volk Gottes angehören, ausgeht, oder an dem sie teilhaben.

Klicken Sie hier für die Anregungen für alle Predigtreihen (soweit vorhanden)

III - 1. Kor 6, 9-14(15-18)19-20

Oder wisst ihr nicht, dass die Ungerechten das Reich Gottes nicht ererben werden? Lasst euch nicht irreführen! Weder Unzüchtige noch Götzendiener, Ehebrecher, Lustknaben, Knabenschänder, 10 Diebe, Geizige, Trunkenbolde, Lästerer oder Räuber werden das Reich Gottes ererben. 11 Und solche sind einige von euch gewesen. Aber ihr seid reingewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerecht geworden durch den Namen des Herrn Jesus Christus und durch den Geist unseres Gottes.
12 Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber es soll mich nichts gefangennehmen. 13 Die Speise dem Bauch und der Bauch der Speise; aber Gott wird das eine wie das andere zunichte machen. Der Leib aber nicht der Hurerei, sondern dem Herrn, und der Herr dem Leibe. 14 Gott aber hat den Herrn auferweckt und wird auch uns auferwecken durch seine Kraft.
15 Wisst ihr nicht, dass eure Leiber Glieder Christi sind? Sollte ich nun die Glieder Christi nehmen und Hurenglieder daraus machen? Das sei ferne! 16 Oder wisst ihr nicht: wer sich an die Hure hängt, der ist ein Leib mit ihr? Denn die Schrift sagt: „Die zwei werden ein Fleisch sein” (1.Mose 2,24). 17 Wer aber dem Herrn anhängt, der ist ein Geist mit ihm. 18 Flieht die Hurerei! Alle Sünden, die der Mensch tut, bleiben außerhalb des Leibes; wer aber Hurerei treibt, der sündigt am eigenen Leibe. 19 Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des heiligen Geistes ist, der in euch ist und den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört? 20 Denn ihr seid teuer erkauft; darum preist Gott mit eurem Leibe.

Diese Perikope beginnt mit dem Gerichtswort über alle „Ungerechten”, die dann auch in Vers 9+10 noch etwas genauer benannt werden. Interessant ist dann die Fortsetzung in Vers 11: Und solche sind einige von euch gewesen. Also solche Götzendiener, Ehebrecher, Lustknaben, Knabenschänder, Diebe, Geizige, Trunkenbolde, Lästerer oder Räuber. Aber sie sind reingewaschen, gerecht geworden durch den Namen des Herrn Jesus Christus. Dies sollte schon Grund genug sein, nicht mit Fingern auf die anderen zu zeigen, sondern die Liebe Gottes weiterzugeben.
Die Perikope umfasst nicht die drei folgenden Verse (15-17), wodurch nicht unwichtiges Hintergrundwissen verloren gehen kann. Das kann zwar in der Predigt ausgeglichen werden. Aber man mag sich fragen, warum diese Verse ausgeklammert wurden. Vermutete man hier vielleicht eine Überbetonung der Hurerei? Wohl kaum, denn Vers 18 geht ja auch noch einmal deutlich auf die Hurerei ein, und Vers 17 enthält eigentlich eine wichtige Aussage, die so nicht wieder vorkommt. Paulus scheint deswegen so sehr auf die Hurerei einzugehen, weil er damit schön die Verbindung zwischen dem Gläubigen und Gott verdeutlichen kann - in guter Tradition. Gerade dieser Aspekt wird ausgeklammert, wohl weil es darum im kirchenjahreszeitlichen Zusammenhang nicht geht.
Die Perikope betont die Heiligkeit des Leibes, die durch die Präsenz des Geistes gegeben ist. Dieser so geheiligte Leib soll nicht durch Sünde, egal welcher Art, geschändet werden. Vielmehr soll er sich würdig erweisen des Geistes Gottes. Aber man darf sicher fragen, ob ein so geheiligter Leib überhaupt einer Sünde fähig ist. Kann nicht der Geist Gottes die Kontrolle übernehmen und jegliches sündhafte Handeln unterbinden?
Möglich wäre es schon, aber sicher nicht von Gott gewollt. Die Freiheit des Menschen ist ja doch sehr wichtig; wenn er nicht frei wäre, hätte Gott ihn nicht erschaffen brauchen. Dieser Aspekt wird auch im 12. Vers deutlich: es ist mir alles erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten.
Vers 20 nun beginnt in vertrauter Weise, wird aber anders fortgeführt: ihr seid teuer erkauft; darum preist Gott mit eurem Leibe. Auch hier gibt es Grund zur Verwunderung: womit sind wir teuer erkauft? Das wird zumindest hier im engeren Zusammenhang nicht deutlich. Das Opfer Christi wird nicht angesprochen. Die Konsequenz aber ist ähnlich wie in 7,23. Der hohe Preis, der für unsere Erlösung gezahlt wurde, soll nicht missachtet werden, indem wir uns von Gott abwenden. Mit dem eigenen Leib Gott zu preisen, kann nur bedeuten, sich möglichst aller leiblicher Sünde zu enthalten. Dabei hilft die Vorstellung, dass der Leib ein Tempel des Geistes Gottes ist, den zu verunreinigen man sich zumindest damals sicher gefürchtet hat.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang wird hier deutlich: Weil der Geist Gottes in uns wohnt, sollen wir auch entsprechend handeln, d.h. wir bringen die Früchte des Geistes. Freilich nicht aus eigener Kraft, sondern durch die Kraft des Geistes, die schon in uns wohnt. Aber es geht hier vielleicht gerade um das, was wir selbst erbringen können: nämlich die Entscheidung, das zu tun, was dessen würdig ist, der in uns wohnt.
Darauf sollte die Predigt denn auch eingehen. Uns ist alles geschenkt, auch unsere Freiheit, in der wir uns von Gott abwenden können. Es geht hier darum, ein klares &bdquot;Ja&rdquot; zu sagen dazu, dass der Geist Gottes in uns wohnt. Mit diesem "Ja&rdquot; werden wir befähigt, positiv in unserer Umgebung zu wirken - wir werden zu Engeln.

Liedvorschläge zur Predigt:

Komm, Feuer Gottes, Heilger Geist (EG 127, 4-7)
Zieh ein zu deinen Toren (EG 133)
Tu mir auf die schöne Pforte (EG 166)
Ein reines Herz, Herr, schaff in mir (EG 389)
Erneure mich, o ewigs Licht (EG 390)
Vertraut den neuen Wegen (EG 395)

Fürbittengebet

Herr Gott, himmlischer Vater, du lässt deinen heiligen Geist in uns wohnen. Hilf uns, dass wir mit unseren Leibern dich preisen.
Hilf uns erkennen, dass auch in den Menschen um uns herum dein heiliger Geist wohnt. Lass nicht zu, dass wir einander missachten oder gar verachten, sondern gib uns die Weisheit, einander zu achten und zu lieben. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich.
Wir denken an die Menschen, die behindert sind und darum oft ausgegrenzt werden. Auch in ihren Leibern wohnt dein heiliger Geist. Zeige uns Wege, wie wir diese Menschen integrieren können in unser tägliches Leben. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich.
Wir denken an die Menschen, die ihre Zuflucht und Hilfe in Drogen und Alkohol suchen und nun darin gefangen sind. Zeige ihnen einen Weg aus ihrem Elend. Mache du Menschen bereit, ihnen diesen Weg zu zeigen. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich.
Wir denken an die Menschen, die Macht haben und darum auch Verantwortung tragen. Hilf, dass sie nicht vergessen, dass ihnen ihre Macht von dir gegeben ist. Höre nicht auf, deine Propheten zu senden, die mahnend vor dem Missbrauch der Macht warnen. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich.
Wir denken an die Menschen, die ihren Mitmenschen Schaden zugefügt haben und nun ihre Schuldenlast nicht mehr tragen können. Vergib ihnen, so wie du uns vergibst, und hilf, dass sie zurückfinden in ein verantwortungsvolles Leben. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich.
Wir denken an die Menschen, die sich von dir abgewendet haben, weil sie deine Liebe nicht erkannt oder verstanden haben. Mache uns zu Boten, diesen Menschen deine Liebe nahe zu bringen. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich.
Wir denken an die Alten unter uns, an alle, die mit dem Gefühl kämpfen, nutzlos und überzählig zu sein. Zeige ihnen, wo sie gebraucht werden, wo sie anderen helfen können mit ihrer Erfahrung, mit Rat und Tat. Lehre sie, sich am Leben zu freuen, die Zeit zu nutzen, die ihnen geschenkt ist. Mache ihnen bewusst, dass auch in ihrem geschwächten Körper dein heiliger Geist wohnt. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich.
Wir denken an die, die mit dem Tod kämpfen. Lass sie erkennen, dass du ihre Hoffnung bist. Hilf ihnen, Kraft zu schöpfen in der Gewissheit, dass ihr innerer Mensch nicht stirbt, sondern die Herrlichkeit deines Reiches schauen wird. Mache den Angehörigen Mut, davon zu reden und darauf zu vertrauen, dass du der Herr über Leben und Tod bist. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich.
Dir vertrauen wir uns an, Gott, bei allen Mühen und allen Freuden, die uns das Leben schenkt. Durch Jesus Christus, unsern Herrn.
Amen



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