das Kirchenjahr

8. Sonntag nach Trinitatis

Früchte des Geistes

Predigtanregung

Der 8. Sonntag nach Trinitatis fragt nach der Antwort des Menschen auf das Handeln Gottes in seinem Leben. Diese Antwort erfordert nicht viel; es ist eigentlich ein schlichtes &bdquot;Nichtverbergen&rdquot; dessen, was man bekommen hat. Schwerpunkt der Texte ist aber auch das Licht, das von denen, die dem Volk Gottes angehören, ausgeht, oder an dem sie teilhaben.

Klicken Sie hier für die Anregungen für alle Predigtreihen (soweit vorhanden)

V - Mt 5, 13-16

Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten.
14 Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. 15 Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind. 16 So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.

Etwas merkwürdig ist dieser Text schon, vor allem im Blick auf das Salz. So wie wir Salz kennen, kann es nicht aufhören zu salzen. Wenn es sich auflöst, ist es nicht mehr da. So salzt das Salz, oder es gibt kein Salz. Nun ist aber wohl das Salz in der Form, wie wir es kennen und gebrauchen, nicht damals verfügbar gewesen. Vielmehr war es oft verunreinigt und konnte dann zwar noch wie Salz erscheinen, aber tatsächlich kein Salz mehr enthalten. Chemisch ist es nie reines Salz gewesen.
Leichter nachzuvollziehen ist das Wort vom Licht. Dass wir leuchten müssen, leuchtet ein. Dass unser Licht möglichst weit strahlen sollte, ist leicht nachvollziehbar. Nur problematisch für uns Protestanten wird sicher der Abschnitt sein, in dem auf unsere guten Werke hingewiesen wird. Damit wollen wir lieber nichts zu tun haben, denn wir sind ja alle Sünder. Und dennoch mühen wir uns, etwas Gutes hervorzubringen. Und auch wenn aus diesem Mühen nichts Gutes werden sollte, so kann doch Gott etwas Gutes daraus machen. So ist letztlich unser Bemühen, das zu tun, was Gottes Willen entspricht, das, was wir sichtbar werden lassen können. Denn sicher können wir selbst nie mit Bestimmtheit sagen, dass unser Tun gut wäre - das haben auch die Kreuzritter vor etwa tausend Jahren gedacht.
Merkwürdig finde ich auch die Formulierung, dass die Leute &bdquot;euren Vater im Himmel preisen". Ist er nicht auch ihr Vater? Wird hier eine fremde Religion als Gegenüber gesehen? Die Antwort darauf bleibt uns der Text schuldig. Auf jeden Fall dürften es Menschen sein, die Gott, den himmlischen Vater, für sich nicht in Anspruch nehmen.
Alles in allem fordert der Text dazu auf, nicht sich selbstgefällig zurück zu ziehen, sondern sich einzumischen im positiven Sinn. Dieser positive Sinn ist leider oft umstritten. Er muss der Maxime des höchsten Gebotes folgen, Gott und seinen Nächsten zu lieben. Christliche Nachfolge muss sich ausdrücken in der Kritik an sozialer Ungerechtigkeit und dem Handeln gegen diese soziale Ungerechtigkeit. Sie muss sich ausdrücken in der Sorge um den Nächsten.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang wird auch mit diesem Text recht gut hergestellt. Zwar geht es nicht um Früchte des Geistes, aber wohl um Früchte des Glaubens, der ja aus dem Geist Gottes heraus entsteht. Die Früchte bleiben nicht geistlich, sie werden handgreiflich - sonst könnten sie nicht wahrgenommen werden. Dies ist sicherlich bei der Predigt wichtig, hervorzuheben. Denn oft sieht man ja das Christsein als Privatsache an. Hier wird ganz deutlich gesagt, dass es das nicht ist. So deutlich sollte es auch die Predigt machen.

Liedvorschläge zur Predigt:

*Herr, mach uns stark im Mut, der dich bekennt (EG 154)
Halleluja, Suchet zuerst Gottes Reich (EG 182)
Gleichwie mich mein Vater gesandt hat (EG 260)
*Sonne der Gerechtigkeit (EG 262/263)
*"Mir nach", spricht Christus, unser Held (EG 385)
Lass mich, o Herr, in allen Dingen (EG 414)
Hilf, Herr meines Lebens (EG 419)

Fürbittengebet

Herr Jesus Christus, du sagst uns, dass wir das Salz der Erde und das Licht der Welt sind. Wir können es uns nur schwer vorstellen und bitten dich: vergib unseren Kleinglauben. Lass uns mutig sein im Glauben, der dich bekennt, und in deinen Wegen gehen.
Hilf, dass Politiker und Wirtschaftsmächtige durch uns dein Licht sehen. Lehre sie, ihre Verantwortung wahrzunehmen: dass niemand übervorteilt wird, dass Armen geholfen wird, dass Kritiker gehört werden und das Verlangen nach Gerechtigkeit alle Angst überwindet.
Hilf, dass die, die ihre Heimat verloren haben und nun eine neue Heimat suchen, unser Licht sehen, damit sie nicht den Mut verlieren, sondern Schutz und Hilfe erfahren in der scheinbaren Aussichtslosigkeit.
Hilf, dass die Erfolgreichen in dieser Welt dein Licht sehen; und lehre sie, dass die Nacht kommen wird, in der ihr Erfolg nichts mehr wert ist. Bewahre sie vor Hochmut, schenke ihnen Freude am Teilen und am Mitteilen.
Hilf, dass die, die bedrückt und niedergeschlagen sind, weil sie Leid erfahren, unser Licht sehen, damit sie aufschauen und erfahren, dass ihre Erlösung naht. Lass sie aus der Fülle deiner Herrlichkeit Ermutigung und Trost schöpfen wissen.
Hilf, dass die, die misstrauisch sind, unser Licht sehen, und hilf ihnen, zu erkennen, dass sie dir vertrauen können. Lass sie Menschen begegnen, die vertrauenswürdig sind, Menschen, die deinem Wort vertrauen. Lass sie Heimat finden in deiner Gemeinde.
Lass auch uns dein Licht schauen, damit uns der Mut nicht verlässt, damit wir Salz sind auf dieser Erde. Das bitten wir dich, der du mit dem Vater und dem Heiligen Geist lebst und regierst in Ewigkeit.
Amen



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