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12. Sonntag nach Trinitatis
Die große Verwandlung - Predigtanregung

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Am 12. Sonntag nach Trinitatis denken wir nach über die Veränderungen,die mit Jesus in diese Welt gekommen sind. Es wird uns deutlich, dass eine neue Zeit angebrochen ist, die aber noch nicht ihre Erfüllung gefunden hat. Darum leben wir in einer Spannung, die uns antreibt, alles zu tun, was dem Kommen des Reiches Gottes dient.

IV - Apg 9, 1-20

Saulus aber schnaubte noch mit Drohen und Morden gegen die Jünger des Herrn und ging zum Hohenpriester 2 und bat ihn um Briefe nach Damaskus an die Synagogen, damit er Anhänger des neuen Weges, Männer und Frauen, wenn er sie dort fände, gefesselt nach Jerusalem führe. 3 Als er aber auf dem Wege war und in die Nähe von Damaskus kam, umleuchtete ihn plötzlich ein Licht vom Himmel; 4 und er fiel auf die Erde und hörte eine Stimme, die sprach zu ihm: Saul, Saul, was verfolgst du mich? 5 Er aber sprach: Herr, wer bist du? Der sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst. 6 Steh auf und geh in die Stadt; da wird man dir sagen, was du tun sollst. 7 Die Männer aber, die seine Gefährten waren, standen sprachlos da; denn sie hörten zwar die Stimme, aber sahen niemanden. 8 Saulus aber richtete sich auf von der Erde; und als er seine Augen aufschlug, sah er nichts. Sie nahmen ihn aber bei der Hand und führten ihn nach Damaskus; 9und er konnte drei Tage nicht sehen und aß nicht und trank nicht.
10 Es war aber ein Jünger in Damaskus mit Namen Hananias; dem erschien der Herr und sprach: Hananias! Und er sprach: Hier bin ich, Herr. 11 Der Herr sprach zu ihm: Steh auf und geh in die Straße, die die Gerade heißt, und frage in dem Haus des Judas nach einem Mann mit Namen Saulus von Tarsus. Denn siehe, er betet 12 und hat in einer Erscheinung einen Mann gesehen mit Namen Hananias, der zu ihm hereinkam und die Hand auf ihn legte, damit er wieder sehend werde. 13 Hananias aber antwortete: Herr, ich habe von vielen gehört über diesen Mann, wieviel Böses er deinen Heiligen in Jerusalem angetan hat; 14 und hier hat er Vollmacht von den Hohenpriestern, alle gefangenzunehmen, die deinen Namen anrufen. 15 Doch der Herr sprach zu ihm: Geh nur hin; denn dieser ist mein auserwähltes Werkzeug, dass er meinen Namen trage vor Heiden und vor Könige und vor das Volk Israel. 16 Ich will ihm zeigen, wieviel er leiden muss um meines Namens willen. 17 Und Hananias ging hin und kam in das Haus und legte die Hände auf ihn und sprach: Lieber Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, Jesus, der dir auf dem Wege hierher erschienen ist, dass du wieder sehend und mit dem heiligen Geist erfüllt werdest. 18 Und sogleich fiel es von seinen Augen wie Schuppen, und er wurde wieder sehend; und er stand auf, ließ sich taufen 19 und nahm Speise zu sich und stärkte sich.
20 Und alsbald predigte er in den Synagogen von Jesus, dass dieser Gottes Sohn sei.

Die Erzählung von der Bekehrung des Paulus ist schon recht dramatisch, bietet aber an sich wenig Theologisches. Sieht man allerdings den größeren Zusammenhang, dann gibt es doch einiges Bemerkenswertes: Bis zu diesem Zeitpunkt war Saulus der Verfolger der Christenheit schlechthin. Dieser Verfolger wird nun plötzlich zum Anhänger? Wem das nicht merkwürdig, ja, verdächtig vorkommt, müsste wohl sehr blauäugig sein. Und dennoch: Gott beruft diesen Verfolger, vor dem sie alle Angst haben, schickt auch einen Mann zu ihm, der sich zunächst weigert, weil er Saulus eben nur als einen Verfolger kennt, vor dem es gilt, Angst zu haben. Doch dann geht er, im Vertrauen auf Gottes Güte.
Die Taufe ist übrigens nicht der Wendepunkt, auch nicht die Begegnung mit Jesus, sondern die Segnung durch einen Christen, die Handauflegung. Dies ist ein wichtiger Aspekt der Erzählung, der uns nachdenklich stimmen sollte in Bezug auf unsere Praktiken bei der Taufe und im Gottesdienst, aber auch bei Hausbesuchen. Interessant übrigens auch, dass es keiner der Apostel ist, den Gott zu Saulus schickt, sondern Hananias, ein ansonsten recht unbeschriebenes Blatt. Das große Werk wird also durchaus von recht unbedeutenden Figuren unterstützt. Es müssen nicht immer die Großen sein.
Gott handelt an Saulus, das dürfte und sollte klar sein. Saulus war äußerst zufrieden mit seiner Rolle als Christenverfolger, er sah darin die Erfüllung seines Lebens, seinen Lebensauftrag. Gott zwingt ihn zum Nachdenken und kann ihn so auch dazu bringen, sich ihm zu öffnen und eine Kehrtwende zu machen.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang ist in der Bekehrung des Saulus erkennbar. Er wird verwandelt, er kehrt um, er fängt neu an. So neu, dass er wirklich alles hinter sich lässt. Er kehrt nicht mehr zurück.
Die Predigt könnte nacherzählend beginnen und dabei einige Eckpunkte der damaligen Realität erläutern. Man könnte das Ganze aus Sicht des Paulus oder eines seiner Begleiter erzählen, was vielleicht effektiver wäre, denn dieser Begleiter könnte dann den Wandel deutlicher beschreiben. Übrigens ist wichtig, dass man nicht dem Irrtum verfällt, mit der Taufe sei Saulus zum Paulus geworden - oder mit der ersten Begegnung mit Jesus. Die Namensänderung vollzieht sich erst während der ersten Missionsreise. Diese Tatsache lässt sicher viele Fragen offen, aber gerade deswegen sollte man darauf verzichten, die Namensänderung heranzuziehen als Veranschaulichung der Verwandlung, die sich an Saulus vollzieht. Denn offensichtlich hat die Namensänderung nichts damit zu tun - sonst wäre sie sicher auch dem Autor der Apostelgeschichte so wichtig gewesen, dass er sie am passenden Ort plaziert hätte.

Liedvorschläge zur Predigt:


Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude (EG 66)
Lob Gott getrost mit Singen (EG 243)
Preis, Lob und Dank sei Gott dem Herren (EG 245)
Treuer Wächter Israel' (EG 248)
Verzage nicht, du Häuflein klein (EG 249)
Nun lob, mein Seel, den Herren (EG 289)
Ich habe nun den Grund gefunden (EG 354)
Mir ist Erbarmung widerfahren (EG 355)
Erneure mich, o ewigs Licht (EG 390)
Ein Licht geht uns auf (HN-EG 557)
Herr, wir bitten: Komm und segne uns (HN-EG 590; NB-EG 561)

Die Anregungen für alle Predigtreihen

Buchempfehlungen:

Zuletzt überarbeitet: 30 Oktober 2018
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