das Kirchenjahr

15. Sonntag nach Trinitatis

Irdische Güter

Predigtanregung

Der 15. Sonntag nach Trinitatis hat "Irdische Güter" zum Thema. Es geht ums Sorgen, die Angst um die Zukunft, um das, was morgen kommt, die Sorge um das leibliche Wohl, um das Dach über dem Kopf. Mancher Predigttext legt eine gewisse Leibfeindlichkeit nahe, etwas, das einzuüben heute gewiss nicht ganz verkehrt ist. Dabei sollte man sich allerdings davor hüten, die Gaben Gottes, von denen wir leben, zu verteufeln.

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III - Lk 17, 5-6

Und die Apostel sprachen zu dem Herrn: Stärke uns den Glauben! 6 Der Herr aber sprach: Wenn ihr Glauben hättet so groß wie ein Senfkorn, dann könntet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiß dich aus und versetze dich ins Meer!, und er würde euch gehorchen.

"Stärke uns den Glauben!" Diese Worte sind uns in dieser Zeit (am 11.9.2001 wurden durch Terroranschläge die zwei Türme des World Trade Center in New York und ein Teil des Pentagons in Washington zerstört) wohl besonders nahe. Viele Menschen zweifeln an Gott, oder sagen ihm ganz ab, und als Prediger hat man dem Argument, dass Gott solches Unglück doch nicht zulassen kann, wenig entgegenzusetzen. Natürlich kann man argumentieren, dass dies Unglück von Menschen gemacht ist und nicht von Gott, aber Gott hat es nun mal zugelassen, er hat nichts dagegen getan. Woran soll man also glauben?
"Stärke uns den Glauben!" - diese Bitte wird von den Aposteln, also denen, die von Gott ausgesandt sind, um das Wort von seiner Liebe weiterzusagen, ausgesprochen. Sie haben selbst das Gefühl, nicht genug Glauben zu haben. Das ermutigt vor allem dann, wenn man selbst das Gefühl hat, nicht genug Glauben zu haben.
Nur: Jesu Antwort ist eigentlich mehr als niederschmetternd. "Wenn ihr Glauben hättet so groß wie ein Senfkorn..." - dabei fällt auf, dass von Glaube quantitativ gesprochen wird. Was wäre denn, wenn der Glaube noch größer wäre, z.B. wie ein Apfel? Offenbar ist gemeint, dass die Apostel (noch?) gar nicht glauben. Es gibt also auch nichts zu stärken. Deswegen dieser winzige Maßstab. Was mit dem Glauben dann bewegt werden kann, ist bemerkenswert, aber es ist nicht der sprichwörtliche Berg, sondern ein Maulbeerbaum, der sich ausreißen und ins Meer versetzen soll.
Warum ein Maulbeerbaum? Tatsächlich ist der Maulbeerbaum recht unbedeutend. Seine Frucht dient den Armen als Nahrung, sein Holz wurde in Ägypten für Sarkophage genutzt, aber das war es dann auch schon (lt. Calwer Bibellexikon). Manche haben geargwöhnt, dass ein Maulbeerbaum da stand und Jesus das nächste beste nahm, dass ihm in den Weg kam. Dagegen spricht die Tatsache, dass das Demonstrativpronomen "diesem" nur in ganz wenigen Handschriften vorkommt, also wohl eher deswegen eingefügt wurde, weil dem Kopierer selbst die Verwendung eines beliebigen Maulbeerbaums nicht einleuchtete. Andere haben vermutet, dass der Maulbeerbaum deswegen als Beispiel diente, weil er tiefe Wurzeln treibt und adrum besonders schwer zu versetzen sei. Ob dem tatsächlich so ist, und ob das damals schon bekannt war (jedenfalls stand der Maulbeerbaum nicht sprichwörtlich für feste Verwurzelung), kann ich nicht überprüfen.
Davon einmal abgesehen, bleibt zunächst die Feststellung, dass es eben keine Quantität des Glaubens gibt, sondern nur entweder glauben oder nicht glauben. Denn selbst der kleinste Glauben vermag schon alle Wunder zu vollbringen, es gibt also keine Veranlassung für eine Glaubensmehrung.
Fatal ist es, wenn dieser Vers benutzt wird, um den Glauben anderer zu "prüfen". Wenn man keine Wunder bewirken kann, glaubt man auch nicht. Dazu darf diese Perikope auf keinen Fall herhalten. Vielmehr stehen hier die Menschen Gott gegenüber, die er gesandt hat. Ihnen fehlt der Glaube im Angesicht Gottes. Dadurch wird deutlich, wie sehr wir von Gott abhängig sind. Sobald sich der Mensch von Gott trennt, kann er auch nichts bewegen, weil ihm die Kraft, die von Gott ausgeht (denn der Glaube ist keine Wunderkraft, die aus dem Menschen hervorgeht), fehlt.
Zu beleuchten wäre noch der Zusammenhang im Evangelium: Die vorgestellt Aufforderung zur Vergebung kann wohl kaum Anlass für die Bitte, den Glauben zu stärken, sein, denn zur Vergebung braucht man nicht unbedingt Glauben. Die nachfolgenden Worte könnten aber doch Licht auf diese zwei Verse werfen. Denn hier macht Jesus deutlich, dass, die Gottes Willen tun, nur das tun, was sie schuldig sind. Sie können also nichts darüber hinaus tun. Sie sind mit Knechten vergleichbar, die den Willen ihres Herrn erfüllen. Diese "Erklärung" könnte darauf hindeuten, dass "Glaube" im Sinn von Quelle einer besonderen Kraft, wie Jesus es interpretiert, gar nicht relevant ist. Die Jünger haben zu tun, was in ihrer Kraft steht, indem sie sich unter den Willen Gottes beugen und sich nicht von Gott trennen in dem Glauben, unabhängig handeln zu können.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang ist nicht auf Anhieb ersichtlich. Es geht hier nicht um irdische Güter. Es geht um das Verhältnis zwischen Gott und Mensch, wobei die Abhängigkeit des Menschen von Gott im Vordergrund steht. Glaube gibt es nicht in verschiedenen Stärken, er erwächst aus der Bindung zu Gott - was die Jünger wohl noch nicht begriffen haben. Vielleicht ist es gerade das: die Jünger wollen mit dem Glauben, von dem sie Wunder erwarten, "irdische Güter" bewegen, und erfahren, dass das völlig nebensächlich ist.
Entsprechend könnte die Predigt, was sicher recht ungewöhnlich ist, versuchen, in diesem Text nicht den Glauben in den Vordergrund zu stellen, sondern unsere Erwartungen an den Glauben. Was wollen wir mit unserem Glauben erreichen? Ist er nicht ein Geschenk Gottes, das aus der Bindung zu Gott erwächst? Vielleicht einfach, um uns das Gefühl zu vermitteln, dass wir geliebt sind, und nicht, um uns zu großen Taten zu befähigen? Glaube im Sinn der Verbindung mit Gott macht stark, aber nicht unbedingt in Bezug auf irdische Güter.

Liedvorschläge zur Predigt:

Gott der Vater steh uns bei (EG 138)
Ist Gott für mich, so trete (EG 351)
Alles ist an Gottes Segen (EG 352)
Ich weiß, woran ich glaube (EG 357)
In allen meinen Taten (EG 368)
Du hast gesagt: "Ich bin der Weg" (EG 602)

Fürbittengebet

Herr Gott, du sorgst für uns im Großen wie im Kleinen. Dafür danken wir dir. Aber oftmals erkennen wir es nicht, manchmal wollen wir es gar nicht. Hilf uns, auf dich unser Vertrauen zu setzen und unser Leben so zu führen, dass wir uns nicht sorgen müssen. Weil wir auf deine Hilfe vertrauen können, darum bitten wir dich:
Sieh an die Not in unserer Welt und erbarme dich über sie. Wir bringen vor dich
die Armen – lass sie satt werden.
die Kranken – heile sie.
die Schwachen – stärke sie.
die Ausgestoßenen – lass sie Freunde finden.
die Heimatlosen – schenke ihnen eine neue Heimat.
die Verwirrten – lass sie ihr Ziel erkennen
die Verhungernden – dass sie satt werden.
die Selbstsicheren – dass sie wanken.
die Mutlosen – dass sie Mut gewinnen.
Und was wir dazu tun können, das hilf uns tun durch deine Gnade.
Das bitten wir dich durch ihn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und herrscht in Ewigkeit.
Amen
oder
Herr Gott, himmlischer Vater: du hast uns geliebt - so sehr, dass du deinen eigenen Sohn für uns geopfert hast. Du wolltest uns nicht an die Leine nehmen, sondern hast die Freiheit, die du uns von der Schöpfung an geschenkt hast, respektiert. Wir möchten dies im Glauben annehmen und bitten dich: lass uns deine Nähe erfahren, hier und jetzt, aber auch auf jedem unserer Schritte, wenn wir diesen Raum wieder verlassen. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich!
Wir bitten dich um Einsicht für unsere Politiker, dass sie erkennen, dass Gewalt nie der richtige Weg ist, um Konflikte zu beenden. Hilf doch, dass die gewaltigen Kräftige, die da freigesetzt werden und durch die viele unschuldige Menschen schon jetzt zu Schaden kommen, zurückgezogen und zuletzt auch abgebaut werden. Lass nicht zu, dass wir uns unsere eigene Zukunft zerstören. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich!
Wir bitten dich für die Menschen, die nur an sich selbst denken und dabei ihren Nächsten übersehen. Lass sie erkennen, dass sie dabei nichts gewinnen, sondern zuletzt doch Schaden nehmen an ihrer Seele. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich!
Wir bitten dich für die Kranken und Sterbenden: sei du ihnen nahe. Schenke ihnen die Gewissheit, dass du deine Arme schützend um sie breitest. Lass sie Frieden finden in dir. Schenke den Angehörigen Zuversicht und Hoffnung, damit sie eine Stütze und Hilfe sein können. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich!
Du bist unser Gott - du allein kannst uns Frieden schenken. Erfülle unsere Herzen mit deiner Liebe, damit wir selbst Liebe weitergeben können. Durch Jesus Christus, deinen Sohn.
Amen



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    Lesepredigten sind ausformulierte Kanzelreden und werden weit im Voraus verfasst. Sie sind an eine unbekannte Gemeinde gerichtet, sollen unterschiedliche Menschen ansprechen und dabei theologisch fundiert, zeitgemäß und allgemein verständlich sein, damit der »fremde« Prediger sich inspirieren lassen und den »fremden« Text für seine Gemeinde umsprechen kann. Für diesen Prozess sind die hier vorgestellten Lesepredigten eine über Jahrzehnte bewährte und beliebte Arbeitshilfe. Alle Texte stehen als Download bequem zur Weiterverarbeitung zur Verfügung.
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