das Kirchenjahr

2. Sonntag nach Trinitatis

Die Einladung

Predigtanregung

Der 2. Sonntag nach Trinitatis hat "die Einladung" zum Thema. Es leitet sich ab vom Evangelium vom großen Abendmahl - der Einladung, die von den Wohlhabenden abgelehnt wird, woraufhin die Einladung an die Außenseiter und Ausgestoßenen ergeht, die sie freudig annehmen. Es geht an diesem Sonntag wohl mehr darum, darüber nachzudenken, wo Gottes Einladung an uns ergeht und wie wir darauf antworten. Die übrigen Perikopen nehmen das Thema in vielfältiger Weise auf.

Klicken Sie hier für die Anregungen für alle Predigtreihen (soweit vorhanden)

III - 1. Kor 14, 1-12.23-25

Strebt nach der Liebe! Bemüht euch um die Gaben des Geistes, am meisten aber um die Gabe der prophetischen Rede! 2 Denn wer in Zungen redet, der redet nicht für Menschen, sondern für Gott; denn niemand versteht ihn, vielmehr redet er im Geist von Geheimnissen. 3 Wer aber prophetisch redet, der redet den Menschen zur Erbauung und zur Ermahnung und zur Tröstung. 4 Wer in Zungen redet, der erbaut sich selbst; wer aber prophetisch redet, der erbaut die Gemeinde. 5 Ich wollte, dass ihr alle in Zungen reden könntet; aber noch viel mehr, dass ihr prophetisch reden könntet. Denn wer prophetisch redet, ist größer als der, der in Zungen redet; es sei denn, er legt es auch aus, damit die Gemeinde dadurch erbaut werde. 6 Nun aber, liebe Brüder, wenn ich zu euch käme und redete in Zungen, was würde ich euch nützen, wenn ich nicht mit euch redete in Worten der Offenbarung oder der Erkenntnis oder der Prophetie oder der Lehre? 7 Verhält sich's doch auch so mit leblosen Dingen, die Töne hervorbringen, es sei eine Flöte oder eine Harfe: wenn sie nicht unterschiedliche Töne von sich geben, wie kann man erkennen, was auf der Flöte oder auf der Harfe gespielt wird? 8 Und wenn die Posaune einen undeutlichen Ton gibt, wer wird sich zum Kampf rüsten? 9 So auch ihr: wenn ihr in Zungen redet und nicht mit deutlichen Worten, wie kann man wissen, was gemeint ist? Ihr werdet in den Wind reden. 10 Es gibt so viele Arten von Sprache in der Welt und nichts ist ohne Sprache. 11 Wenn ich nun die Bedeutung der Sprache nicht kenne, werde ich den nicht verstehen, der redet, und der redet, wird mich nicht verstehen. 12 So auch ihr: da ihr euch bemüht um die Gaben des Geistes, so trachtet danach, dass ihr die Gemeinde erbaut und alles reichlich habt.
23 Wenn nun die ganze Gemeinde an einem Ort zusammenkäme und alle redeten in Zungen, es kämen aber Unkundige oder Ungläubige hinein, würden sie nicht sagen, ihr seid von Sinnen? 24 Wenn sie aber alle prophetisch redeten und es käme ein Ungläubiger oder Unkundiger hinein, der würde von allen geprüft und von allen überführt; 25 was in seinem Herzen verborgen ist, würde offenbar, und so würde er niederfallen auf sein Angesicht, Gott anbeten und bekennen, dass Gott wahrhaftig unter euch ist.

Die Geistesgaben der Zungenrede und der Prophetie, von denen Paulus hier redet, sind wichtig, aber wohl allzuoft missbraucht worden. Wichtig sind sie aus den Gründen, die Paulus aufführt: sie dienen quasi als Erkennungsmerkmal, zur Erbauung und zur Ermahnung.
Die Zungenrede oder Glossolalie hat dabei offenbar einen geringeren Stellenwert, denn sie erbaut nicht und ermahnt nicht. Sie kann vielmehr Ungläubige abstoßen, indem diese denken, die in Zungen redenden seien verrückt. Die Prophetie hingegen "überführt" Ungläubige, denn durch sie werden die Ungläubigen identifiziert; damit wird die Macht des Gottes, an den die Christen glauben, offenbar.
Merkwürdig und nicht leicht nachvollziehbar ist allerdings die Zuordnung dieser Gaben durch Paulus in Vers 22: Die Zungenrede ist ein Zeichen für die Ungläubigen, die Prophetie ein Zeichen für die Gläubigen. Ich verstehe dies so, dass die Zungenrede eine unmittelbare Wirkung auf die Ungläubigen hat, aber nicht auf die Gläubigen (denn, wie gesagt, haben die anderen Gläubigen nichts davon, wenn einer beginnt, in Zungen zu reden). Dabei spielt es dann keine Rolle, dass diese Wirkung negativ ist. Die Prophetie aber hat auch eine Wirkung auf die Gläubigen (aber eben: "auch"; denn auch die Ungläubigen werden durch die Prophetie angesprochen) und kann deswegen in dieser Gegenüberstellung als "für die Gläubigen" bezeichnet werden. Schlüssig ist dies nicht, aber andere Erklärungen aus der Welt der Kommentare haben mich nicht überzeugen können. Dieses Problem spielt aber für die Predigt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle.
Die Einleitung des Predigttextes, die aus dem Anfang des Kapitels genommen ist, mahnt zunächst zum Streben "nach der Liebe". Dies ist sicher motiviert aus dem vorhergehenden Hohelied der Liebe (Kap. 13) und sollte deswegen hier nicht überbewertet werden, denn der Schwerpunkt der Perikope liegt eindeutig bei den Geistesgaben. Hier wäre aber wünschenswert, noch Vers 4 hinzuzunehmen, der Licht auf die Zungenrede wirft, so wie Vers 3 die prophetische Rede bewertet.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang wird nicht so leicht ersichtlich. Das Thema ist die Einladung, und hier wird offenbar nicht von einer Einladung gesprochen. Man kann allerdings auf diesen Zusammenhang kommen, wenn man bedenkt, dass von der Wirkung der Geistesgaben auf die "Ungläubigen", also die Außenseiter, gesprochen wird. Abhängig davon, ob diese Wirkung einladend oder abstoßend ist, wird eben auch die "Einladung" Gottes ausgesprochen.
Natürlich ist es ausgesprochen schwer, von einer durchschnittlichen Gemeinde zu erwarten, dass sie Erfahrung in der Zungenrede oder in der Prophetie hat. Wie schon eingangs erwähnt, wurden beide zu oft missbraucht. Zungenrede dient(e) oft als Mittel der Ausgrenzung (wie es hier ja auch gesagt wird), Prophetie diente oft der Geltungssucht einzelner. Nie kann man sicher beurteilen, ob die Prophetie in dem konkreten Fall eine Gabe Gottes ist oder schlicht der Ausdruck eines Gefühls oder einer besonders kleveren Schlussfolgerung aus zahlreichen Zusammenhängen. Wie dem auch sei: für die Predigt könnte man sicherlich darüber nachdenken, wie die Gemeinde auf Außenstehende wirkt. Hierbei kann man den Gegensatz zwischen "gläubig" und "ungläubig" wohl kaum gebrauchen, denn denen "draußen", die ja meist auch getauft sind, kann man nicht so ohne weiteres den Glauben absprechen. Zudem differnziert Paulus zwischen "Ungläubigen" und "Unkundigen", er geht also davon aus, dass auch Gläubige unkundig sein können.
Was also kann die Gemeinde tun, um einladender zu wirken, um mehr Menschen anzusprechen? Es gibt viele Geistesgaben, nicht nur die Zungenrede oder die Prophetie. Wie wirken diese Gaben auf andere Menschen, die nicht mit dem kirchlichen Leben und den kirchlichen Ausdrucksformen vertraut sind? Diese Gedanken können in der Predigt Entfaltung finden.

Liedvorschläge zur Predigt:

O Gott, du höchster Gnadenthron (EG 194)
Nun singe Lob, du Christenheit (EG 265)
Strahlen brechen viele (EG 268)
Preisen lasst uns Gott, den Herrn (EG 568)
Herr, wir stehen Hand in Hand (NB-EG 602)

Fürbittengebet

Wir danken dir, unser Gott, dass du uns Gemeinschaft schenkst mit dir. Wir danken dir, dass wir bei dir zu Hause sind, dass du uns nahe bist. Wir bitten dich: hilf uns, dass wir immer wieder einladend auf andere Menschen zugehen und ihnen von deiner Liebe erzählen. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich.
Wir danken dir für deine Treue und bitten dich: bleibe bei uns, selbst dann, wenn wir uns von dem Weg abwenden, den du uns führen willst. Wir rufen zu dir: Gem.: Herr, erbarme dich.
Wir danken dir für deine Liebe und bitten dich: Schenke uns Hoffnung, wo es hoffnungslos zu sein scheint. Schenke uns Mut, dorthin zu gehen, wo wir lieber nicht hingehen wollen, um deine Liebe den Menschen nahe zu bringen. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich.
Wir danken dir, dass du uns täglich mit den Gaben deiner Schöpfung satt machst, und bitten dich: erhöre das Schreien der Hungernden nach Brot. Lass ihren Ruf nicht im Schweigen der Satten verhallen. Zeige uns Wege, zu helfen und den Hunger zu stillen. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich.
Wir danken dir, dass du uns gesund erhältst, und bitten dich für die Kranken in dieser Welt und in unserer Gemeinde: Führe Menschen zu ihnen, die bereit sind, dein Licht in das Dunkel ihres Leides hineinzutragen. Wir rufen zu dir: Gem.: Herr, erbarme dich.
Wir danken dir, dass du unserem Land Frieden schenkst, und bitten dich für die, die sich nach Frieden sehnen. Hilf den Verantwortlichen Politikern, gewaltlose Wege zur Lösung der Konflikte zu finden. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich.
Wir danken dir für unsere Familien und bitten dich: lass die Kinder deine Liebe durch ihre Eltern erfahren; erhalte die Ehepaare in deiner Liebe, und sei du bei denen, die in Streit leben.
Wir bitten dich heute besonders für die Vorbereitungen des Sommerfestes in unserer Kindertagesstätte: lass es ein schönes Fest werden, an dem Alt und Jung gemeinsam feiern können. Gib denen, die für die Vorbereitung verantwortlich sind, immer wieder neue Kraft, Zuversicht und Freude. Wir rufen zu dir:
Gem.: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich für uns alle: Nimm dich unser aller an, weil du allein das Heil bist, durch das wir und diese unheile Welt wieder heil werden können.
Als deine Kinder beten wir gemeinsam:
Gem.: Vater unser im Himmel...



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